Freitag, 12. September 2014

Zurück zum ersten Mal.

Die Rückkehr zum 'Gott mit uns'

Vor einiger Zeit hatte ich diesen Freund, mit dem ich fast jeden Abend telefoniert habe. In der Zeit ging es ihm nicht gut, und ich habe die geistliche Nähe genossen, die wir miteinander teilen konnten. Auch wenn man manchmal behauptet, Männer hätten keine besten Freunde, denke ich, dass die meisten von uns uns schon freuen, wenn es so etwas gibt.
Aber die Freundschaft mit ihm ist irgendwann eingeschlafen.
Mein Leben ging weiter, seines auch, und heute reden wir nur noch sehr sporadisch miteinander.
Das ist eine merkwürdige Entwicklung, weil ich mich noch daran erinnere, dass ich damals sicher war, die Freundschaft würde nie zerbrechen.
Wir Menschen sind meistens komische Geschöpfe. Wir sind auf Gemeinschaft hin angelegt, und wir sehen uns nach Intimität und Nähe. Aber die wenigsten solcher Beziehungen dauern wirklich ein Leben lang. Vor allem die Freundschaften, die uns in unserer Teenager-Zeit tragen, sind meistens nicht mehr von langer Dauer, wenn es in die verschiedenen Städte geht, zum studieren und herumreisen, und wenn der Alltag überhand nimmt.

Einmal geploppt, nie mehr gestoppt.
Letzte Woche habe ich euch davon geschrieben, dass ich immer mehr zu dem Punkt komme, dass die drei kleinen Worte 'Gott. Mit. Uns.' eigentlich die beste Definition für das Evangelium sind – auch, weil es uns die zwei Seiten zeigt.
Aber manche von euch haben mir darauf geschrieben, dass sie es nicht ganz nachvollziehen können. Das Problem, auf das ihr mich aufmerksam gemacht habt, ist: Wieso sollten meine Anders-denkenden Freunde es denn als Gute Nachricht verstehen?
Was, tatsächlich, eine gute Frage ist.
In Forrest Gump gibt es diese interessante, und gleichzeitig tiefgehende Szene, in der Lieutenant Dan die Frage an Forrest richtet: „Hast du Jesus schon gefunden, Gump?“
Und Forrest Gump antwortet: „Ich wusste gar nicht, dass ich ihn suchen sollte.“
Was die Gedanken vieler Menschen ganz gut widerspiegelt. Wieso soll ich Gott denn suchen? Es geht mir gut genug.
Und ich kann ihnen keinen Vorwurf machen.
Das interessante ist aber, dass die Bibel uns die Beziehung zu Jesus eigentlich als eine beschreibt, in der wir nicht suchen, sondern vor allem gefunden werden. In seinem bekannten Gleichnis vom verlorenen Schaf/guten Hirten macht Jesus das mehr als deutlich (vgl. Lk 15,4ff).
Wenn wir diesen Gedanken ernst nehmen – dass nämlich wir gefunden werden, erkannt werden, nicht anders herum – dann hat das eine bedeutende Auswirkung auf unsere Vorstellung von 'Bekehrung'.
Denn dann ist Bekehrung nichts, wozu wir Menschen überzeugen müssen: „Bekehre dich doch, bitte. Hier sind Gründe I bis XII, warum das Sinn macht.“
Dann ist Bekehrung etwas, das einem Menschen passiert, weil er gefunden wird. In der Terminologie vom letzten Artikel bedeutet das: Gott ist mit uns – diese Erkenntnis und Erfahrung steht am Anfang unserer Reise mit Gott. Wir sind gefunden, und in Gemeinschaft versetzt mit Gott. Von da an beginnen wir mehr und mehr zu verstehen.
Gott mit uns ist nichts, was wir schmackhaft machen müssen, weil es etwas ist, was uns passiert, was Gott uns schenkt.
Von da an gibt es kein halten mehr.

Und dann dennoch: Stop.
Oder doch?
Als ich den Absatz oben geschrieben habe, musste ich über die vielen nachdenken, die im Glauben 'Schiffbruch' erlebt haben, wie Paulus es ausdrückt. Sie haben so gut angefangen, haben anderen von ihrem Glauben erzählt.
Oder hatten endlich Ruhe in ihrer Seele gefunden, und die Fragen schienen unwichtiger zu werden.
Oder hatten endlich das Zuhause gefunden, nach dem sie sich immer gesehnt hatten.
Doch dann kommt der Alltag, und man beginnt zu vergessen und zu verdrängen. Die Fragen werden wieder groß, die Gemeinschaft bekommt Risse, und in die Ruhe pfeift ein kalter, ungemütlicher Wind.
Jesus selbst spricht dieses Problem an, als er an die Gemeinde in Ephesus schreiben lässt: „Ich werfe dir aber vor, dass du deine erste Liebe verlassen hast.“ (Offb 2,4; EinÜ)
Das ist tatsächlich ein Problem, wenn man darüber nachdenkt, dass Jesus der Gemeinde sonst nichts vorzuwerfen hat, doch die Auswirkungen dieser einen 'kleinen' Sache ist, dass Jesus „Wenn du dich nicht änderst, werde ich gegen dich vorgehen und deinen Leuchter von seinem Platz unter den Gemeinden wegstoßen.“ (Off 2,5; NeÜ) Das klingt ziemlich drastisch.
Das Problem ist, dass wir Menschen gerne vergessen, und dass andere Dinger wichtiger werden als die Begegnung mit Gott, die wir einmal hatten.
Aber die Reaktion auf dieses Vergessen und die erkaltende Gottesbeziehung sollte nicht Gleichgültigkeit sein, sondern sich daran erinnern, wie es einmal gewesen war.
Nur muss dafür etwas gewesen sein.
Nur muss dafür schon eine Begegnung mit dem lebendigen Gott stattgefunden haben.
Nur muss man dafür schon geschmeckt haben, wie großartig die Botschaft von 'Gott mit uns' ist.
Nur muss man dafür einen Grund haben, zurückzukehren.
Und es ist eine wirklich gute Nachricht, zu wissen, dass wir an einen Gott der zweiten Chance glauben.
Oder, wie Rend Collective singen, „Countless second chances we are given at the cross.“

God Bless,

Restless Evangelical

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