Freitag, 31. Oktober 2014

Dazugehören, ohne zu glauben


Warum definierte Gemeinden nicht ausgrenzend sein müssen

Letzte Woche habe ich davon geschrieben, dass ich denke, dass die christliche Gemeinschaft der Ort ist, an dem wir sowohl Antworten finden können auf unsere ehrlichen, intellektuellen Fragen, und gleichzeitig Heilung finden können für die emotionalen Wunden, die uns oft noch von Gott abhalten. Doch einige von euch haben sich gefragt, ob man das auch einfach auf die Gemeinde übertragen kann.
Keine schlechte Frage, dachte ich. Denn ich habe ganz bewusst von 'Gemeinschaft' geredet, und hatte dabei Hauskreise und andere kleine Gemeinschaften im Sinn, in denen man sich bekannt genug ist, auch vertraut genug, um seine Wunden zu zeigen.
Nicht unbedingt ein klassisches Merkmal vieler Gemeinden; jedenfalls kenne ich nur wenige, sogar nur wenige Christen, die ihre Ortsgemeinde so definieren würden. Die Ortsgemeinde ist eher der Grund für viele Wunden, und der Urheber des 'trotzdem' im Satz: „Warum ich trotzdem noch glaube.‟
Warum das so ist, ist relativ einfach nachzuvollziehen. Die Gemeinde ist nicht perfekt, und den Anspruch hat sie gar nicht. Sie war immer die Verbindung von begnadigten Sündern, einer so selbstsüchtig wie der Andere, viele Heuchler dazu, und damit ziemlich gut ein Durchschnitt der Gesellschaft. Ein Problem ergibt sich vielleicht, wenn die Gemeinde mit einer moralischen Überheblichkeit auftritt, die zumindest vom Gefühl her an perfekt grenzt.
Was wir nicht sind.
Was kein Mensch ist, wenn wir es auf den Punkt bringen wollen.
Die Gemeinde war nie ein Ort von moralischer Perfektion (wenn auch ein Prozess von 'besser werden' sicherlich dazugehört), sondern von einer Weltsicht, die wir teilen, und die uns verbindet, mit den Schwächen die wir haben.
Und dann ist es die Weltsicht, die uns sanfter macht, herausgehen lässt zu allen Anderen, und die sie in unsere Gemeinschaft zieht.

Verbunden durch eine Überzeugung
Ich denke, eine Gemeinschaft, die sich ideologisch von anderen Gemeinschaften abgrenzt, ist an sich nichts schlechtes. Seit es Menschen gibt, gibt es solche Gruppen – unterschiedliche Weltsichten und Vorstellungen, wie man 'es' richtig machen würde, was auch immer 'es' in diesem Fall wäre. Unsere bunte Parteienlandschaft ist nur ein Beispiel dafür. Da sitzen intelligente, gebildete Menschen an beiden Enden des Spektrums, und die einen Raufen sich die Haare ob der Frage, wie der Andere auf solche hanebüchene Ideen kommen konnte.
Und niemand würde auf die Idee kommen, zu fordern, dass Sahra Wagenknecht die Generalsekretärin der CSU Fraktion werden sollte. Es würde nicht passen, weil die Sicht darauf, wie diese Welt funktioniert, nicht übereinstimmt.
Menschliche Gemeinschaften gruppieren sich immer um gemeinsame Interessen, oder Überzeugungen. Jeder Fußballclub wird nicht auf Grund des Pluralismus dazu verdonnert, auch Basketballspiele zu veranstalten. Und eine Partei darf ihre weltanschaulichen Grundsätze haben, und die Menschen, die sie teilen, dürfen eben eintreten oder nicht.
Mit der Gemeinde ist es nicht besonders anders, und mir will auch nicht aufgehen, wieso das in irgendeiner Weise anstößig ist. Jeden Sonntag, wenn hunderte von Millionen von Christen das Abendmahl feiern bringen sie zum Ausdruck, dass ihre Einheit, der Mittelpunkt ihrer Gemeinschaft, darin liegt, dass sie von dieser einen Sache überzeugt sind: Als Jesus vor 2000 Jahren am Kreuz gestorben ist und 3 Tage später wieder auferstanden ist, da hat durch dieses Ereignis der dreieinige Gott uns einen Weg geschaffen, in Gemeinschaft mit ihm zu treten.
Rettung.
Das ist es, was die Gemeinde als Institution eint, und es gibt keinen Grund, das aufzuweichen oder ganz aufzulösen. Mit den Jahrtausenden, in denen die Gemeinde existierte, haben sich diese Weltanschauungen verfeinert und wurden weiter ausformuliert, und manche sind noch weiter gegangen. Aber es war immer dieses Ereignis auf Golgatha, das die Gemeinschaft definiert hat.
Deswegen war es auch vom Anfang der Kirche den Leitern der Gemeinschaft wichtig, das Abendmahl nur denen auszuteilen, die sich zu denen zählen, die an den Tod und die Auferstehung Jesu glauben. Es ist unser definierendes Element, es ist im Kern das, was unsere Gemeinschaft ausmacht. Ich bin dein Bruder, und du bist meine Schwester/mein Bruder, weil du das gleiche glaubst und weil wir dadurch verbunden sind.

Offen, einen Schritt zusammen zu gehen
Aber selbst wenn die Gemeinde auf der einen Seite diese verbundene Gemeinschaft von Überzeugten ist – vereint durch die gleiche Überzeugung, wie Rettung möglich ist, und wie diese Welt beschaffen ist – ist es keine geschlossene Gesellschaft, von der ein Schild vor die Tür gehängt wird, um alle ungebetenen Gäste draußen zu halten.
Zumindest sollte sie es nicht sein.
Denn es ist genauso faszinierend zu sehen, dass es gerade die Anders-denkenden waren, die sich von Anfang an von dieser Botschaft angezogen gefühlt hat. Es ist die gegenkulturelle Botschaft von Gnade und Vergebung und Veränderung, die Menschen neugierig macht.
Als Jesus in Syrophönizien war, konnte er nicht versteckt werden (Mk 7,24b).
Als Paulus an die Gemeinde in Korinth schreibt, ist es für ihn gar keine Frage, dass Nicht-Christen in den Gottesdiensten sitzen (1Kor 14,23).
Als Paulus in Athen herumirrt, erkennt er, dass die Menschen Gott suchen, ihn nur nicht wirklich kennen (Apg 17,23f).
Irgendwie ist es faszinierend, dass es gerade dieses Element ist, das die Gemeinde auszeichnet gegenüber anderen (religiösen) Gruppierungen – das Evangelium, die Gnade Gottes, die Rettung durch Jesus – das die Menschen anzieht und nicht mehr gehen lassen will.
Es ist gleichzeitig die offene Tür wie auch der Grenzstein zur Gemeinschaft. Und ich denke, das hier das Geheimnis für eine gesunde und wachsende Gemeindearbeit liegt.
Weil im Evangelium – dem Verständnis, das wir in uns selbst sündiger sind als wir jemals gedacht hätten, aber in Christus geliebter, als wir jemals zu hoffen gewagt haben – nicht nur der attraktivste Teil der Gemeinde liegt, sondern genau der Grund, wieso die Gemeinde nicht in sich verwunden und verwurzelt bleibt, sondern aus sich herausreicht und Menschen in die Gemeinschaft einlädt (2Kor 5,20b).
Zu verstehen, dass wir aus Gnade leben und aus nichts anderem, macht uns deutlich, dass unsere Gemeinschaft sich nicht darüber definiert, dass wir besser sind als alle Anderen, die an den Kirchentüren am Sonntag vorbeigehen. Wenn wir Paulus ernst nehmen (1Tim 1,15), dann ist es eher wahrscheinlich, dass sie besser sind als wir. Aber nicht weniger bedürftig der Gnade, die sie haben könnten – die Gnade, die Freiheit schenkt, und Gemeinschaft stiftet, und Hoffnung bringt.
Mit einem solchen Verständnis von mir selbst, und von meinen Mitmenschen, kann ich nicht anders als davon überzusprudeln und auch davon zu erzählen. In dieser Sicht kann keine Kirchentür geschlossen bleiben, sondern nur aufgerissen werden mit dem Wunsch, dass die Gemeinschaft von vielen erlebt werden kann und jedem deutlich gemacht wird, dass Veränderung möglich ist.
Es ist dieser Ort, wo die Fragen gestellt werden dürfen, und wo die Wunden heilen dürfen. Wo man Gemeinschaft genießen darf, ohne die Überzeugungen zu teilen, und wo man nach und nach erkennen darf (intellektuell) und erleben darf (emotional), dass es Antworten gibt auf die tiefen Fragen, die das Leben stellt.
Man kann dazu gehören, ohne zu glauben.
Und irgendwann kommt der Moment, in dem das Brot an dich weitergereicht wird, und dir gesagt wird: Das ist Christi Leib, auch für dich gegeben.
Und du merkst, dass du zustimmst: Ja, ich glaube. Und bei allem anderen, Jesus, hilf meinem Unglaube.
Dann schmeckst und siehst du, wie freundlich der Herr ist.

God Bless,

Restless Evangelical

Donnerstag, 30. Oktober 2014

gelesen & geschätzt #15

Die Beiden im Atmosphärenstrudel
Rezension zu: Nicholls, David, One Day, London: Hodder & Stoughton 2009

Meistens rezensiere ich ja englisch-sprachige theologische Literatur. Das liegt natürlich daran, dass ich solche Literatur am meisten lese, aber auch, dass mein Blog sich vornehmlich um Fragen der Spiritualität und unserer Reise Richtung Herrlichkeit dreht.
Ich lese eigentlich auch immer Romane und andere Literatur. Nur sind die wenigsten davon so umstritten oder berühren mich so tief, dass ich sie unbedingt an dieser Stelle rezensieren müsste. Aber hin und wieder begegne ich einem Roman, der mich gefangen nimmt. Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Er kann spannend sein, sodass ich ihn nicht mehr weglegen kann. Oder die Geschichte erinnert mich an irgendetwas in meinem Leben. Oder ich fiebere mit den Charakteren mit, weil sie mir so schnell an das Herz wachsen.
Mit David Nicholls Überraschungserfolg 'One Day' war es alles das.
Allerdings erst beim zweiten Lesen.
Als ich One Day zum ersten Mal zu lesen begann, hatte ich das Gefühl, es sei nur ein weiterer britischer Roman, den ich nicht wirklich verstand. Wo kam dieser Hype um das Buch her? Ja, die Erzählweise war interessant, aber irgendetwas fehlte mir.
Es dauerte einige Monate, dass ich bei meiner Reise nach Indien in einem gelangweilten, etwas einsamen Moment wieder zu One Day griff, in der Hoffnung nach Abwechslung.
Und dieses Mal war es Emma Morley, die Protagonistin, (und ihr Zusammenspiel mit Dexter Mayhew) die mich in ihren Bann zog.
Und tatsächlich ist es diese Protagonistin gewesen, in der ich sowohl eine ergreifende Atmosphäre gefunden habe als auch den Dreh- und Angelpunkt der Erzählweise, die so neu ist, so erfrischend anders als man es kennt.

Die erfrischende Erzählweise
Obwohl das Buch chronologisch die Geschichte von Emma Morley und Dexter Mayhew erzählt und der Frage auf den Grund geht, ob die Beiden noch zueinander finden oder nicht, hat sich Nicholls für diesen Roman etwas spannendes ausgedacht. Als die Beiden sich zum ersten Mal begegnen, ist es der 15. Juli 1989 und sie kommen gerade von der Absolvierungsfeier ihrer Universität. Vorher hatten sie kein Wort miteinander gewechselt (wenn auch Emma ein wenig für Dexter schwärmte). Heute treffen sie sich und versacken bei Emma zuhause für einen One Night Stand, aus dem am Ende nichts wird, weil sie die ganze Nacht miteinander reden. Von diesem Tag an erzählt der Roman die Geschichte von Emma und Dexter immer am 15. Juli des kommenden Jahres, 20 Jahre lang. Jedes Kapitel ist dabei der 15. Juli eines neuen Jahres. In diesem Sinne sind die Kapitel immer Momentaufnahmen der Beziehung der Beiden, mit ihren Höhen und Tiefen und man bekommt einen kurzen Einblick darein, was in diesen Leben passiert, ob und wie sie noch miteinander verbunden sind.
Diese Erzählweise könnte schnell in einen ewigen Kreislauf von Günther-Jauch-gleichen Jahresrückblicken verfallen, in denen vollkommen unnatürlich die beiden Protagonisten in Dialogform sich auf dem Laufenden halten, was im letzten Jahr bei ihnen passiert ist und wieso sie wo gerade stehen. Doch Nicholls gelingt es auf gerade spielerische Weise, dass genau das nicht passiert. In dem Buch liest sich jedes Kapitel wie ein Tag, den man mit einem alten Freund verbringt. Man bringt sich dabei nicht unbedingt auf den neuen Stand, selbst wenn man sich lange nicht gesehen hat, sondern es ist einfach wie immer. Und alleine durch die Interaktion miteinander, durch die veränderten Charaktereigenschaften erkennt man, was im Leben des Anderen passiert ist, man leidet ein wenig mit ihm oder freut sich, und wenn man sich verabschiedet weiß man nicht, für wie lange. Nur kann man sicher sein, dass es beim nächsten Treffen wieder genauso sein wird.

Die ergreifende Atmosphäre
Was vielleicht noch mehr anziehender an dem Roman ist die Atmosphäre, die sich zwischen Emma und Dexter entfaltet und bis zum Schluss kein wirkliches Ventil findet. Es wird fast wie ein Strudel, in den man hineingezogen wird, wobei diese Metapher eigentlich viel zu negativ ist.
Man hat nämlich nicht den Eindruck, dass die Beziehung der beiden ein katastrophales Ende nehmen würde; aber genauso wenig findet man wirklich Optimismus, dass sie zueinander finden. Und gerade daraus wird eine Spannung geboren, die den Leser abholt und nicht wieder loslässt. Es ist eine Spannung, der aus der universalen Frage nach Liebe und Annahme geboren wird und aus der Sympathie, die man für die beiden Protagonisten empfindet.
Es ist das Lernen müssen, dass man ohne einander nicht leben kann, aber genau das lernen muss. Das Beginnen wertzuschätzen, was man an dem Anderen hat, und zu wissen, dass er existiert und dass er auch weiterhin existieren wird, nur eben vielleicht ohne mich. Und das ist auch gut so, weil es genau diese Unabhängigkeit ist, in der man aneinander wächst.
Gleichzeitig ist der Roman ein Gesellschaftsportrait. Die Sicht auf die Gesellschaft ist nicht kulturpessimistisch, aber auch nicht von einem blinden Optimismus beseelt. Nicholls wirkt eher wie ein liebevoller Kritiker seiner (und der etwas jüngeren) Generation, mit ihren Schwächen und ihren Stärken. Er zeigt dabei auf, welche Probleme hausgemacht sind, welche man vermeiden könnte, und aus welchen man vielleicht einen Ausweg finden könnte. Gerade diese Dimension am Roman hat mich in seiner liebevollen und dezent kritischen Art sehr begeistert. Zu oft fungiert die Literatur als ein Lobeshymnus an das gerade Gängige, oder als Fundamentalkritiker an das, was vor fünf Minuten noch der Ausweg aus der Misere war. Nicholls ist anders. Durch die Figuren, die er erschafft, und die Situationen, in die er seine Figuren hineinlaufen lässt, wirkt er wie ein Beobachter, der nicht kritisieren will, aber helfen. Man kann ihm mehr Lebensweisheit unterstellen als es sein durchschnittlicher Leser hat, und wahrscheinlich liegt gerade darin die Faszination des Romans.

Was den Roman ausmacht.
Nicholls zeigt in diesem Roman ein unheimlich amüsierendes Gespür dafür, surreale Situationen zu benutzen, um seine Geschichte weiterzuspinnen.
Da ist zum Beispiel (und ich nehme hier nicht den Lesespaß vorweg! Kommt bloß nicht auf den Gedanken!) das dauerhaft unausgesprochene 'Ich liebe dich' zwischen Emma und Dexter. Dadurch, dass Nicholls einen introspektiven Erzähler einnimmt, wissen wir um die Gedanken und Gefühlswelt von Dex und Em, und man fragt sich wirklich, was sie es endlich sagen.
Und dann kommt endlich der Punkt, an dem es einer zum Anderen sagt, in einem der deprimierendsten und traurigsten Kapitel des Buches, mit dem Zusatz: „I just don't like you anymore.‟
Was genauso frustrierend, wie traurig und genial ist.
Nachdem ich dieses Ventil endlich erreicht hatte in dem Buch, musste ich das Kapitel noch einmal lesen, nur um die Atmosphäre noch einmal zu erleben und zu verstehen, was diesen Satz endlich herausgekitzelt hat und wie dieser Satz („I love you‟), der zu den schönsten der poetischen Sprache gehört, so furchtbar schief gehen konnte.
Wie konnte aus einem Picknick bei Sonnenuntergang ein Autounfall werden (emotional gesprochen?)
Es ist diese Art zu erzählen, die den Roman ausmacht und die mich in den Bann geschlagen hat.
Fünf Jahre hat sich der Autor danach genommen, zum Teil aus Angst, zum Teil weil er es einfach konnte, um seinen nächsten Roman zu schreiben. „Us‟ ist vor einem Monat auf dem Markt erschienen und seit ein paar Tagen auch in Deutschland auf englisch zu erhalten (die Übersetzung gibt es schon etwas länger).
Es gibt schon Rezensionen, die davon sprechen, Nicholls hätte One Day noch einmal übertroffen. Aber ich zweifele noch. Nicht, weil ich Nicholls als Autor nicht alles zutrauen würde. Sondern vor allem, weil ich gerade nichts wüsste, was man an One Day steigern könnte. Näheres dazu, wenn ich das neue Buch gelesen habe.
---
Für One Day gilt: Wer es noch nicht gelesen hat, sollte sich eine Woche Urlaub nehmen und in der Geschichte versenken.

God Bless,

Restless Evangelical

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Häppchen-Wesie #40


Während ich gerade ein wenig darüber lese, was die Gemeinde von einer einfachen christlichen Gemeinschaft unterscheidet, bin ich über ein großartiges Zitat von Frost & Hirsch in ReJesus gelesen. Es geht darum, wie wir die Mission Gottes in unseren Gemeinden am Besten umsetzen. Sie verwenden dafür den historischen Begriff participati christ. Sie schreiben:

„[P]articipati Christi […] kann auf keinen Fall einfach auf evangelistische Verkündigung oder soziale Gerechtigkeit beschränkt werden. Wann immer hemand dir die eine Sache sagt, die du zu tun hast, um an der Mission Jesu teilzunehmen, kannst du sicher sein, dass sie dir nicht die ganze Geschichte erzählen.‟ (Frost, Michael & Alan Hirsch, ReJesus. A Wild Messiah for a Missional Church, Peabody: Hendrickson 2009, S.29; deutsch durch mich)

Ein 'Entweder Oder' Ansatz in der Frage der richtigen Mission der Gemeinde kann niemals fruchtbar sein. Wir sind dazu berufen, viel zu tun – soviel, wie wir Kraft von Gott bekommen, zu tun. Die einen kümmern sich um soziale Gerechtigkeit, die anderen um Seelenheil und wieder andere um die Jüngerschaft derer, die Jesus folgen wollen.
Wir sind auf der gleichen Mission unterwegs, Freunde.
Lasst und das 'Friendly Fire' einstellen.

God Bless,
Restless Evangelical

P.S. Das Originalzitat:

„[P]articipati Chisti […] can never be boiled down simply to evangelistic preaching or social justice. As soon as someone can tell you the one thing you need to be doing in order to participate in the mission of Jesus, you can be sure they're not telling you the whole story.‟

Dienstag, 28. Oktober 2014

Davon die Alten sungen... (28.10.2014)


Gerhard Teerstegen – Gott rufet noch #10

Herr, rede nur, ich geb begierig acht;
führ wie du willst, ich bin in deiner Macht.‟

Wenn ich morgens dieses Lied von Teerstegen singe, dann schließe ich grammatisch nicht mit einem Wunsch, sondern mit einem Bekenntnis: Ich sage vor Gott aus, dass ich höre, was er zu sagen hat, und dass ich folge, wohin er führt.
Dabei muss ich regelmäßig daran denken, dass es eigentlich eine Lüge ist, die ich morgens ausspreche, sollte ich sie wirklich als Aussage meinen. Nicht, dass ich mich nicht danach sehnen würde; nicht, dass ich nicht jeden Tag mehr vertrauen lernen will, ihm zu folgen, wohin er mich führt; nicht, dass ich nicht merke, dass mir das Studieren seines Wortes und das Beschäftigen mit dem, was er über sich gesagt hat, meine Seele aufatmen lässt.
Es ist nur nicht die Realität in meinem Leben, dass ich 'begierig acht' gebe, was er sagt. Viel zu oft gebe ich lieber begierig acht, dass ich die 30 Minuten mehr schlafen kann am Morgen, als mich aus dem Bett zu schälen und mich mit seinem Wort zu befassen. Es stimmt auch nicht, dass er 'führ wie du es willst, ich bin in deiner Macht.' Zumindest nicht emotional. Theologisch mag ich dem zustimmen – ja, Gott der Weltenlenker hat auch meinen Weg in seiner Hand – aber es passiert genug in meinem Leben, bei dem ich nicht denke, dass er es in der Hand hatte.
Oder ich gar nicht zufrieden bin damit, wie er es geführt hat.
Und ich sage nicht, dass es optimal so ist.
Ich denke aber, dass es auch okay so ist.
Mit jedem Tag, in dem ich mehr verstehe von der Gnade, die mir Jesus schenkt, erkenne ich auch, wie zentral das Gespräch ist, um meine Beziehung zu Jesus vital zu halten. Die evangelikale Subkultur bietet mir alle Möglichkeiten, wie ich eine Beziehung vorspielen kann, und wie ich von Dingen singen kann, die gar nicht mit meiner aktuellen Lage zu tun haben. Aber wenn ich mit meinem Herrn rede, und an diesem Ort bekennen kann, wo ich ringe und wo ich mir meiner Fehler immer bewusster werden, und wie sehr ich heute wieder erkennen muss und will, dass ich seine Gerechtigkeit anziehen durfte die ein weißes, frisch-gewaschenes Gewand, kann ich auch diese zwei Zeilen singen.
Nicht als Bekenntnis, wie ein verbales auf die Schulter klopfen und zum Ausdruck bringen: „Ich habe verstanden, dass es so sein muss, deswegen folge ich.‟
Es ist ein Wunsch, den ich vor Jesus ausdrücke.
Wunsch, und Hoffnung.
Ich sehe auf meinem Weg zurück und erkenne, wie viel ich gelernt habe in den letzten Jahren, wie es Jesus wirklich gelungen ist, mich manche Fehler und falsche Verhaltensweisen ablegen zu lassen, die ich als meine ewigen Wegbegleiter und Steine in meinem Schuh betrachtet habe. Ich reise heute mit leichterem Gepäck Richtung Herrlichkeit, als ich es noch vor 5 Jahren gemacht habe.
Aber ich reise nicht ohne Gepäck. Ich trage noch unnötigen Ballast, und vielen davon loszulassen ist schmerzhaft und eigentlich nie einfach, weil ich sie für unaufgebbar halte.
Also drücke ich diesen Monat jeden Morgen meine Hoffnung gegenüber meinem Gott aus:
„Jesus, ich bin noch nicht da, wo ich dein Wort so sehr schätze wie ich es sollte. Und ich vertraue dir nicht immer so, wie es gut wäre. Aber irgendwann komme ich an diesen Ort. Wahrscheinlich auf der anderen Seite der Herrlichkeit.
Jesus, führe mich weiter hinauf und weiter hinein.
Zeig mir die Schönheit deines Plans noch einmal für eine einzige Sekunde, damit ich meinen Kompass wieder darauf norden kann. Lass mich schmecken, dass deine Worte morgens süß sind wie der Honig, der frisch aus der Wabe kommt. Lass es mich schmecken, damit ich mir wieder bewusst werde – und mehr und mehr bewusst werde – dass du genug bist.‟
Das ist nicht Realität. Das ist Wunsch!
Ein tiefer Wunsch dennoch, weil ich jetzt schon lange genug mit Jesus unterwegs bin, dass ich genau weiß, dass ich meine Instinkten nicht immer trauen kann, wenn es darum geht, wofür ich eigentlich geschaffen wurde.

God Bless,

Restless Evangelical

Montag, 27. Oktober 2014

Häppchen-Weise #39

Andrew Wilson beschreibt in seinem neuen Buch "Unbreakable" die Geschichte der Bibel wie folgt:

"Man könnte die Geschichte der Bibel im Grunde so zusammenfassen:

Am Anfang, Gott.
Alles war formlos, und leer, und finster. Kleine Blasen von ungeformter, ungeordneter Materie flog durch die Gegend. Nicht mehr als ein riesiger Klecks. Oder Krackelei.

Und Gott sagte: „Lichter!“ Und es passierte.

Und Gott sagte, und es passierte. Und Gott sagte, und es passierte. Und Gott sagte, und die Erde tat es. Und Gott sagte, und die Tiere taten es.

Und Gott sagte: „Los, geht, habt Sex, habt Kinder, entdeckt, regiert, beschützt, bewahrt. Haltet das ganze Ding am Laufen. Aber passt auf eine Sache auf – dieser eine spezielle Baum bringt die Erkenntnis von Gut und Böse mit sich, und ihr wollt wirklich nicht einmal einen Bissen davon – aber die anderen Bäume, die gehören alle euch. Genießt es.“ Und die Menschen taten es.

Und die Schlange sagte: „Hat Gott das wirklich gesagt? Wollt ihr euer Leben wirklich von dem bestimmen lassen, was ihr denkt, dass er gesagt haben könnte?“ Und die Menschen wollten das nicht. Und da ging alles schief.

Und Gott sagte, und es passierte.

Und Gott sagte, und Abraham tat es. Und Gott sagte, und es passierte. Und Gott sagte, und Israel tat es nicht, auch wenn sie es manchmal taten, aber meistens taten sie es nicht. Und Gott sagte, und es passierte.

Und Gott sagte: „Das hier ist mein Junge. Ihr sollt ihn lieben. Hört genau zu.“

Und die Schlange sagte: „Bist du wirklich der Sohn Gottes? Warum machst du das dann nicht?“

Und Jesus sagte: „Es steht geschrieben.“

Und die Schlange sagte: „Nun gut, aber was ist mit dem hier?“

Und Jesus sagte: „Es steht geschrieben.“

Und die Schlange sagte: „Oder dies hier?“

Und Jesus sagte: „Es steht geschrieben.“

Und die Menschen sagten: „Was denkst du eigentlich, wer du bist? Was für ein Spiel spielst du hier? Niemand kann das tun, außer Gott allein. Wenn du das wirklich machen willst, dann wirst du getötet werden. Bist du verrückt? Oder besessen? Er beleidigt Gott! Nein, Herr, das wird dir niemals zustoßen.“ Und solche Sachen eben.

Und Jesus sagte: „Es ist doch geschrieben.“

Und die Schlange sagte: „Lass es einfach sein, Wunderknabe.“

Und Jesus sagte: „Wie sonst kann erfüllt werden, was geschrieben steht?“

Und die Menschen sagten: „Kreuzigt ihn!“ Und es passierte.

Stille.

Und die Menschen warteten.

Und ebenso die Engel.

Und ebenso die ganze Schöpfung.

Und ebenso die Schlange.

„Hat Gott wirklich gesagt?“

Stille.

Und Gott sagte: „Lichter!“

Und es passierte."

(die Übersetzung ist mit freundlicher Genehmigung von 10publishing. Das Buch lässt sich bestellen bei: https://www.10ofthose.com/products/16631/Unbreakable/)

Für mich lag eine simplizistische Schönheit in diesem Text.
Und eine Kraft, die sich erst dann erschließt, wenn man erfährt, wie unglaublich großartig die Botschaft der Auferstehung ist.

God Bless,
Restless Evangelical

Sonntag, 26. Oktober 2014

Vier Plus 1 am Sonntag – 26.10.2014


A. Drüben bei ThinkTheology hat Dave Bish einen interessanten Artikel, indem er den Finger auf die Wunde legt: In wie weit repräsentieren wir in unseren Gottesdiensten eine hinterhältige Haltung gegenüber Andersdenkenden? Wenn das Evangelium nicht dafür da ist, aus schlechten Menschen gute zu machen, sondern auch Toten Lebendige – und wenn wir uns bewusst sind, dass wir das alles nur aus Gnade geschenkt bekommen haben: Zeigen wir das den Menschen, die in unsere Gottesdienste kommen?

B. Derek Rishmawy trifft den Nagel auf den Kopf. Wir alle haben manchmal das Gefühl, lange nach einer Diskussion, den Gedanken zu bekommen, der dem ganzen die entscheidende Wendung hätte geben können. Derek denkt über eine Diskussion nach, die einige Jahre zurück liegt.
Wieso, wurde er gefragt, sollte man Glück empfinden mit der evangelikalen Spiritualität, wenn alles, was sie bietet, das Gefühl ist, einem Gott gehorchen zu müssen, es nicht zu schaffen, und deswegen Angst vor seinem Zorn hat.
Weil jeder einen Gott hat, und jeder seinem Gott nicht gehorcht.
Und weil nur Jesus Vergebung und Gnade hat.
Amen.

C. Francis Chan schreibt über Beziehung/Ehe aus der Perspektive der Ewigkeit. Ich muss sagen, dass ich über diesen Artikel zwiegespalten bin. Zum Einen stimme ich ihm zu, dass manchmal zu viel Wert gelegt wird auf die Ehe und Ehegestaltung in den Gemeinden. Eine gelingende Ehe ist kein Selbstzweck, sondern soll, auch nach Eph 5, das Evangelium verkünden. Und das ist in erster Linie eine Botschaft der (Zukunfts-)Hoffnung. Gleichzeitig frage ich mich, ob er in diesem Artikel nicht auch wieder (wie schon in Crazy Love) zu radical ist. Das christliche Leben ist ein geistlicher Kampf, wie er schreibt. Aber es ist nicht immer Frontlinie in Vietnam. Es gibt Zeiten von Ruhe und Zeiten von Ringen. Und das ist gut so. Und eine Ehe – wie jede andere Beziehung und unser Leben – scheint mir dann am gesündesten zu verlaufen, wenn sie auch beides widerspiegelt. Das gleiche Ziel zu verfolgen, die gleiche Vision zu haben, ist unheimlich wichtig. Aber das bedeutet nicht, dass man zu zwei rennt, ohne Auszeiten zu Zweit zu haben – oder?

D. Benjamin Correy sagt, dass er kein Atheist sein könnte, selbst wenn er wollte. Er gibt eine andere Antwort auf die Frage, wieso er Christ ist, als ich es in meinem letzten Artikel getan habe. Aber seine Antwort fand ich auch sehr bewegend. Selbst wenn man den Nachthimmel mit etwas anderes ersetzt. An Gott glauben (oder nicht glauben) bedeutet, einen anderen Blick auf die Realität zu haben. Wir sehen die Welt anders – und Paulus sagt etwas ähnlich in 1Kor 2,14. Das macht natürlich das Evangelium nicht weniger wichtig – eher viel wichtiger: Das Evangelium ist, was uns hoffen lässt (mein Artikel) und was uns einen neuen Blick auf den Nachthimmel – und breiter: die Realität – gibt.


Und noch einen zum Schluss: Dieser Kerl mit dieser Gitarre ist mein neuer Held. Beachtet vor allem, wie er damit die Melodie formt, dass er an den Stellhebeln am Hals dreht. Unglaublich.

Freitag, 24. Oktober 2014

Komm und sieh.


Der Stellenwert von Zweifel in der Gemeinde

Wie ich vor Kurzem zu einem neuen Freund gesagt habe: „Ich liebe Fragen.“ Das liegt vielleicht daran, dass ich mit der nagenden Vermutung lebe, dass es da noch wichtige Informationen gibt, die ich gar nicht bedacht habe.
Für mich war es ein wichtiger Schritt zu verstehen, dass Gott mit meinen Fragen klarkommen kann, und dass ich ihn nicht lästere, oder klein mache, wenn ich begreife, dass ich noch nicht alles begriffen habe. Solche Fragen haben weniger etwas damit zu tun, dass ich Gott klein mache, als dass ich mir meiner eigenen Limitierungen bewusst werde und in dem Vertrauen wachse, Gott einfach Gott sein zu lassen, und ihm nicht Ratschläge geben zu müssen, wie es es besser machen könnte. Später war es genau dieses Verständnis von Gottes Größe auch (und gerade) in unseren Kämpfen, das ich weitergeben wollte.
Wenn ich aber sage, dass ich Fragen liebe, dann meine ich damit nicht die Frage an sich, als wäre sie ein Ziel in sich selbst, als wäre die Frage selbst ein wertvolles Gut. Ich liebe Fragen wegen dem, was sie mit mir machen, wie sie mir eine Möglichkeit bieten, Gott aus einer anderen, neuen Perspektive zu sehen und zu erkennen. Ich liebe Fragen, weil es Antworten auf sie gibt, selbst wenn ich sie gerade nicht nicht sehen kann. In diesem Sinne liebe ich die Frage eigentlich nur als Mittel zum Zweck. Ich liebe die Frage, weil ich auf Antworten vertraue.
Weswegen ich denke, dass die Gemeinschaft von Christen ein Ort sein sollte, in der ehrliche Fragen erlaubt sein sollten. Es geht nicht darum, bei der Frage zu bleiben, sondern über sie hinaus zu gehen und um eine Antwort zu ringen.
Mit diesem Artikel möchte ich versuchen, zu zeigen, wieso die Gemeinschaft von Christen zu einem sicheren Ort für Fragen sein soll, weil ernst gemeinte Fragen gut sind. Aber dass nur in der Gemeinschaft, die wir entwickeln, wenn wir die Gnade Gottes Stück für Stück und mehr und mehr und von Mal zu Mal persönlicher begreifen, nicht nur unsere intellektuellen Zweifel eine Antwort finden, sondern auch unsere emotionalen Zweifel zur Ruhe kommen können.

Intellektuelle Zweifel und emotionale Zweifel
Nun muss man sehen, dass es beim Menschen normal zwei Arten von Zweifeln gibt, wenn es um Spiritualität geht.
Da sind zum einen die intellektuellen Zweifel, die jeder von uns kennt, ganz egal ob du Jesus kennst oder nicht. Die Fragen sind meistens historischer, oder öfter noch philosophischer Natur. Es geht um Gerechtigkeit und Leid, um historische Belege und die Fragen, ob Gott das wirklich zulassen kann. Sie sind nagend, und lassen einem manchmal vor kreisenden Gedanken kein Auge zu machen in der Nacht.
Sie sind meistens auch deswegen nagend, weil sie an den Wahrheiten rütteln, die nicht nur unser Bild von dieser Welt im Rahmen halten, sondern unser Lebensgefühl im Kern bestimmen. Manche Wahrheiten sind uns so wichtig, dass wir sicher sind, unser Lebensglück zu verlieren, wenn wir die Wahrheiten verlieren. Und deswegen sind intellektuelle Zweifel oftmals zu nagend. Sie stellen nicht nur eine Überzeugung in Frage, sondern oft unseren Lebensentwurf.
„Wie sind die Liebe und Allmacht Gottes vereinbar mit dem vielen Leid?“ heißt dann eigentlich: „Wie kann ich Gott vertrauen, wenn er nicht einmal diese Welt im Griff hat?“
„Wie soll die Bibel irrtumslos sein, wenn sie so viele Widersprüche enthält?“ heißt dann eigentlich: „Gibt es irgendetwas, dass mich sicher machen kann, dass Gott wirklich so ist?“
Denn neben den intellektuellen Zweifeln gibt es das, was ich gerne emotionale Zweifel nenne. Dabei geht es darum, dass man zwar intellektuelle Fragen nennt, aber die eigentlichen Fragen und nagenden Einwände gegen das Christentum tiefer liegen, auf Seelen-ebene und nicht im Kopf. Dort liegen die tiefen menschlichen Bedürfnisse nach Liebe/Bedeutung, nach Glaube/Spiritualität und nach Hoffnung und einer Perspektive für die Zukunft. Wir haben zu viele Erfahrungen gemacht, die unsere Erwartungen und Wünsche auf diesen Ebenen enttäuscht haben, und deswegen ist das 'Sich-Einlassen' auf Gott umso schwerer. Es sind die alten Verletzungen, oft hervorgerufen von Kirche und Christen, die uns daran Zweifeln lassen, ob dieser Glaube an einen Gott, der alles auf Anfang dreht, und jetzt für immer, wirklich stimmen kann.
Wir nennen es intellektuelle Zweifel, aber die Frage hinter der Frage sind eigentlich die Fragen nach einem guten Gott, und unserer Beziehung zu ihm, und wie wir Hoffnung finden können, die mehr ist als blinder Optimismus.

Das Evangelium sichtbar machen
Mark Dever hat ein Buch geschrieben mit dem Titel: „Die Gemeinde ist das Evangelium in sichtbarer Form.“ (The Church. The Gospel Made Visible, Nashville: B&H Publishing 2012), was ich einen faszinierenden Gedanken finde. Ich verstehe ihn vor allem auch als Aufforderung an die Gemeinschaft von Christen: Zeigt durch eure Gemeinschaft, was das Evangelium ist.
Das Evangelium bringt Heilung in die zerstörte Beziehung zweier Gruppen (vgl. Eph 2,14)
Das Evangelium schließt vergebende Arme um den rückkehrenden Sünder (vgl. Lk 15,20)
Das Evangelium bricht den Stolz der hochmütigen und zeigt uns die Realität, was es bedeutet, seinen ganzen Wert aus der Gnade Gottes zu ziehen (vgl. 1Pet 5,5)
Das Evangelium rechtfertigt, was ungerecht ist, weil Gnade größer ist als Gericht (2Kor 5,21)
Das Evangelium zeigt sich dem Zweifler als Teil der Gemeinschaft. (vgl. Joh 20,19ff)
Die ehrlichen Fragen eines wirkliche Suchenden beinhalten die Möglichkeit, die Frage auch zu beantworten. Nicht von einer Position der Überheblichkeit heraus – als würde der Pastor/Leiter/Freund alles wissen – sondern auf der Position der Anteilnahme heraus; weil wir auch an dem Ort waren, oder noch sind, und weil wir dafür gemacht sind, gemeinsam um die Antworten zu ringen und uns gegenseitig ein Stückchen weiter zu tragen, wenn die Fragen zu groß werden.
Wenn wir daran glauben, dass im gemeinsamen Ringen auch das Versprechen liegt, dass am Ende der Fragen ein stärkerer, robusterer Glaube steht, dann ist es die Unsicherheiten wert. Und gleichzeitig erinnert uns die Gemeinschaft als Christen immer wieder daran, dass keiner von uns besser ist, wertvoller oder wichtiger, als der Andere. Durch ein solides Verständnis des Evangeliums – dass ich zwar in mir selbst sündiger und selbstsüchtiger bin, als ich jemals gedacht hätte, aber in Christus geliebter bin, als ich auch nur zu hoffen gewagt hätte – werden wir von Mal zu Mal erinnert, dass wir alle den selben Wert besitzen, weil dieser Wert uns zugesprochen und geschenkt wird, und nicht aus unseren Leistungen kommt.
Was irgendwie wunderbar ist, finde ich.

Zugehören bevor man glaubt?“
Und jetzt gibt es neben den Fragen, bei denen wir um Antworten ringen, vor allem die Fragen, in denen wir um unsere Existenz ringen. Sollte Gott wirklich...? Könnte Gott nicht vielleicht...? Und wo finde ich Glaube, Liebe und Hoffnung?
Und, tiefer noch, wie kann ich an einen Gott glauben, dessen selbst-bezeichnete Nachfolger mich so tief verletzt haben? Oder von dem selbst ich mich verletzt fühle?
Was genau der Punkt ist, an dem christliche Gemeinschaft einsetzt. Weil christliche Gemeinschaft nicht einfach sagt: „Lass mich dir beschreiben, wie es hier drin aussieht, damit du eine Eintrittkarte kaufst.“ Wir machen keine Werbung für den Glauben.
Wir laden zu ihm ein.
Wir sagen nicht: „Hier ist ein Bild, willst du nicht kommen?“
Wir sagen: „Komm und sieh selbst.“
Was gleichzeitig erhebend und ernüchternd ist. Es ist ernüchternd, weil jeder von uns genau weiß, dass wir dazu gar nicht in der Lage sind. Die Besten von uns haben schlechte Tage, und egal wie sehr wir und um Weisheit und Ausgewogenheit bemühen, wir verletzten einander. Aber es ist erhebend, weil wir erleben können, dass gerade in unseren Schwächen, in den Momenten, in denen wir Andere – bewusst, oder unbewusst – verletzten, die Gnade ihr volle Kraft entfaltet. In dem Vertrauen, dass nicht wir es sind, die die Gemeinschaft bauen, sondern Gott selbst, der mit Vergebung und Gnade und Gerechtigkeit in unserer Mitte Wohnung nimmt.
Es geht nicht darum, dass wir einen Kreis bilden, in dem wir uns gegenseitig ermutigen, sondern dass wir den Kreis öffnen, und Menschen einladen, die Antworten auf ihre Fragen mit uns gemeinsam zu finden. Was nicht immer einfach ist, und auch nicht immer sofort von Erfolg gekrönt ist.
Aber weil wir vertrauen, dass es Antworten gibt, begeben wir uns auf den Weg.
Weil wir nicht perfekt sind, vertrauen wir darauf, dass die Gnade Gottes größer ist als unsere Fehler.
Weil wir Vertrauen, dass Gott gerecht und gut ist, werden wir auch immer sicherer, dass es ein Morgen gibt.
Was irgendwie wunderbar ist, finde ich.

God Bless,

Restless Evangelical

Donnerstag, 23. Oktober 2014

gelesen & geschätzt #14


Wer ist Gott überhaupt?

Rezension zu: Enns, Peter, The Bible Tells Me So. Why Defending the Bible Made Us Unable to Read It, San Francisco: HarperOne 2014

Ich gebe gerne zu, dass ich an dieses Buch nicht objektiv herangegangen bin, es gar nicht wirklich konnte. Als ich vor ein paar Jahren Peter Enns' 'Incarnation and Inspiration' gelesen habe, immerhin das Buch, das ihn zu einer Persona non-grata gemacht hat am reformierten renomierten Westminster Seminary, war ich mehr als enttäuscht von der Lektüre. Mir schien der Ertrag nicht mehr zu sein als das Aufzeigen von problematischen Stellen & Zusammenhängen im Alten Testament und die Aussage, das die Evangelikalen irgendwie damit umgehen müssen. Vielleicht, indem sie Jesus auf die eine oder andere Weise im Alten Testament sehen.
Enns' neues Buch schlägt in dieselbe Kerbe; während 'Incarnation and Inspiration' allerdings noch ein eher akademisch angelegtes Werk war, ist 'The Bible Tells Me So' ein populärwissenschaftliches Buch.
Enns ist ein brillianter Autor. Die Stärke seines Humors wird in dem Buch mehr als deutlich, lockert die Lektüre auch merklich auf. Und weil der Humor sich nicht in erster Linie gegen seine theologischen 'Gegner' wendet, sondern eher mit kulturellen Referenzen blühen und sich oft um Sport und andere alltägliche Dinge drehen, kann man herzlich über Enns' Witze lachen, ohne einen schalen Nachgeschmack zu haben.
In diesem Sinne ist das Buch durchaus unterhaltsam. Auch die Kapitel sind erfrischend kurz, sodass es sich erstaunlich schnell liest und sich auch gut einmal zwischen einen abendfüllenden Film und dem finalen Zubett-Gehen quetschen lässt.
Zumal es auch immer wieder – und viele – Krümel von Wahrheit und Weisheit in dem Buch gibt, die mich meistens erinnert haben (weniger waren sie komplett neu für mich) und ich konnte mich an diesen Wahrheiten unheimlich freuen. Teilweise hat er es geschafft, mir die Schönheit und Größe christlicher Theologie vor Augen zu malen, sodass ich sogar Tränen in den Augen hatte.
Mein Problem mit dem Buch – und dem geschuldet ist auch die schlechte Bewertung – ist, dass er selbst diese Wahrheiten zerstört, und der Leser sich am Ende fragen muss: „Wer ist Gott denn überhaupt noch?“

Krümel von Wahrheit und Weisheit
Man muss bedenken, dass Enns' Zielgruppe eine bestimmte Form von amerikanischen Evangelikalen ist, die von einer bestimmten anderen Form von amerikanischen Evangelikalen desillusioniert ist. Man kann das gar nicht genug betonen. Die Diskussion, in die sich Enns' mit dem Buch einmischt, bezieht sich auf das leidige Wort 'Irrtumslosigkeit' und die Frage, was das eigentlich bedeutet.
In diesem Sinne finde ich Enns erfrischend. Die Probleme, die er in einer Bibliolatrie aufzeigt – der Anbetung der Bibel auf Kosten Gottes – sind wahr und auch aussprechenswert.
Jesus is bigger than the Bible.“ (Pos.2281)
Enns versucht in dem Buch aufzuzeigen, dass wir die Offenbarung Gottes nicht aus unserem Verstand ableiten sollten – und unser gelehrtes Verständnis der Bibel – sondern dass wir die Offenbarung Gottes von Jesus her und auf Jesus hin denken müssen. Oder, wie Luther es schon als Regel aufgestellt hat: Wir müssen die Frage stellen, ob (und wie) eine Schrift Christus verkündet (treibet...).
In den Kapiteln zeigt Enns mit akademischer Expertise (und die will ihm wohl niemand absprechen), wie die Apostel und Jesus selbst die Schriften des Alten Testaments teilweise auf kreative Art und Weise neu gedeutet haben, um sie um den Tod und die Auferstehung Jesu herum zu verstehen. Dabei betreiben sie manchmal nach modernen Standarts abenteuerliche Exegese. Aber „I don't think I'm really in a place to grade Jesus: I want to understand him.“ (Pos.2318)
In diesem Sinne möchte Enns sich einer Bibel widmen, die wir wirklich haben, und nicht einer, die wir uns in unserer (modernen) Vorstellung zurechtgelegt haben. Was ein lobenswerter Ansatz ist. Die Bibel als Produkt der Antike zu verstehen, als Schriften, die in die Antike hineingeschrieben wurde, mit den Voraussetzungen und Weltanschauungen, die die Menschen damals hatten, ist nichts Neues in der akademischen Theologie, aber sicher noch nicht überall bei den 'Mainstream-Evangelikalen' angekommen. Unser Verständnis von Irrtumslosigkeit muss sich an dem Messen, was wir an der Bibel haben.* Ein unausgewogenes Verständnis von biblischer Irrtumslosigkeit führt zu Erwartungen an die Bibel, die sie nicht erfüllen kann, die sie zu erfüllen gar nicht geschrieben wurde. Ich vermute, dass es nicht zuletzt eben an einem solchen unausgewogenen Verständnis der Bibel liegt, dass noch heute ein Großteil der Amerikaner aussagen, dass sie an einer irrtumslose Bibel glauben, aber nicht wissen, welche die vier Evangelien sind.
Besonders Enns Ausführungen zum Ringen mit der Bibel und dem 'Gott-Finden' gerade im Ringen haben mir das Herz aufgehen lassen. Enns schreibt zB.:
You can tussle with each other and with God (and win!), and it's all good. The back-and-forth with the Bible is where God is found. Enter the dialogue and you find God waiting for you, laughing with delight, ready to be a part of the back-and-forth.“ (Pos.3297; kursiv im Original).
Dass viele Christen ihre Bibel nicht mehr lesen, liegt, vermute ich, daran, dass sie keine schnellen Antworten darin finden, dass sie sich zu schlecht ausgebildet oder gebildet fühlen, um die Bibel wirklich zu verstehen.
Dass es im Ringen mit der Bibel und mit Gott liegt, das wir in der Beziehung mit ihm wachsen, sollten wir mehr und mehr in unsere Köpfe und auch in unser Herz lassen.

Nur können wir nie sicher sein.
Wenn ich alle diese wahren und auch schönen Teile des Buches betrachte, muss ich feststellen, dass ich sie auch nur deswegen feststellen kann, weil ich von der Möglichkeit ausgehe, dass wir Gott kennen können. Für Enns scheint diese Möglichkeit gar nicht gegeben zu sein. Wenn die Israeliten sich ihren Gott eben als eine Stammesgottheit vorgestellt haben, die andere Völker niedermetzelt, dann kann Gott damit leben. Hauptsache, sie benutzen überhaupt das Wort Gott.
Wir glauben das natürlich nicht mehr, sagt Enns.
Nur die Grundlage, warum wir das nicht mehr glauben, bleibt er uns schuldig.
Da ist natürlich dieser Jesus, der 'bigger' als die Bibel ist; dieser Jesus, um den sich alles dreht, was wir über die Bibel denken. Nur dass Enns nicht einmal genau definieren kann, wer dieser Jesus ist. Auf eine fast dialektische Widersprüchlichkeit gelingt es ihm, auf der einer Seite Jesus als Zentrum der Offenbarung Gottes hinzustellen, und gleichzeitig aufzuzeigen, dass die Evangelien an vielen Stellen die Unwahrheit über Jesus sagen (Geburt usw.). Aber wie soll ich mich an Jesus orientieren, wenn ich gar nicht weiß – wissen kann – wer Jesus eigentlich ist.
Das am tiefsten liegende Problem für mich mit diesem Ansatz, den Enns uns bietet, ist für mich, dass der Gott, den er uns dann vorstellt, nur wie eine transzendendierte Version von Peter Enns wirkt – mit seinen Wertvorstellungen, mit seinen Schwächen und Stärken und mit seiner Liebe für Geschichten und familiären Banden.
Das ist irgendwie schön, ohne Frage, aber eben auch nur irgendwie. In den Stürmen meines Lebens habe ich wenig Hoffnung, dass dieser Gott mir irgendetwas zu sagen hat. Ein Gott, der die Sprache über sich ständig verändert – oder besser: verändern lässt – der immer neue und sich widersprechende Geschichte über sich erzählen lässt, ist keine Gottheit, sondern das Produkt unserer Vorstellung.
Und selbst das Ringen mit der Bibel ist dann am Ende nicht viel mehr als mühsame Zeitverschwendung. Selbst wenn ich zu einem Ergebnis kommen würde und eine 'Wahrheit' über Gott fände, dann würde das nicht viel mehr sein als eine temporäre Einschätzung. Eine Geschichte, die Gott gerade über sich erzählen lässt, aber die ich in ein paar Jahren vielleicht ganz anders erzählen werde, und dann ist Gott eben ganz anders.
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Peter Enns schreibt in seinem Zusammenfassenden Kapitel: „So, right off the bat, I'm going with mystery as an operative category for talking about God. And I expect to be surprised by this God.“ (Pos. 3173)
Was ein nobler Zug ist. Einer, den ich befürworte und versuche, in meiner Spiritualität umzusetzen. Nur kommt es mir so vor, dass Enns und ich Mysterium in dem Fall anders beschreiben.
Für mich ist das Mysterium der Glaube, das Gott größer ist, als ich es begreifen kann, und immer noch anders, immer noch mehr als ich es begreifen kann. „Gott ist der Superlativ.“, habe ich es in dem Manuskript für mein erstes Buch ausgedrückt.
Für Enns bedeutet Mysterium die Annahme, dass wir Gott gar nicht kennen können, und dass darin auch gar kein Ziel für den Christen liegt.
Was für mich nicht nachvollziehbar ist, wenn ich an einen Jesus glaube, der gesagt hat: „Wenn ihr erkannt habt, wer ich bin, dann habt ihr auch meinen Vater erkannt. Schon jetzt erkennt ihr ihn und habt ihn bereits gesehen.“ (Joh 14,7; NeÜ).

God Bless,
Restless Evangelical


*Und nur um das klarzustellen: Das ist bei weitem nicht unmöglich. Kevin Vanhoozer hat der evangelikalen Bewegung dabei einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Und schon Wenhams 'Jesus und die Bibel' zeigt Problemfelder und Lösungsmöglichkeiten auf.

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Häppchen-Weise #38


Wenn ihr es mir erlaubt, noch ein Zitat aus Mark Labbertons wunderbaren Büchlein "Called".
Er beschreibt eine Szene, in der ein Orchester spielen sieht, und wie jeder seinen Part einnimmt, einzigartig, weil nur er es kann, aber gleichzeitig Teil von dem großen Ganzen.

"Das ist ein Ausdruck von menschlichem Gedeihen, das sich immer um den Einzelnen und die Vielen dreht, um die Erkenntnis und den Ausdruck von dem, was Leben schenkt und erschafft, was leidenschaftlich ist und voller Bedeutung. Diese Eigenschaften des menschlichen Gedeihens finden wir über kulturelle Grenzen hinweg und auch in allen Zeiten. Sie sind förmlich und unkompliziert, öffentlich und privat, normal und außergewöhnlich. Diese Form des Gedeihens passier zu Hause, in Familien, auf dem Spielfeld, in Geschäftsmeetings, in Klassenräumen, in den Fürsorgeeinrichtungen, inmitten von Freude aber auch von Leid, dort wo Armut herrscht aber auch der Reichtum, in jeder einzelnen Sprache, in jedem Medium und jeder Umgebung passiert es." ( Labberton, Mark, Called. The Crisis and Promise of Following Jesus Todas, Downers Grove: InterVarsity Press 2014, S.13; deutsch durch mich).

Um nicht zuviel dazu zu sagen: "Das ist eine große Vision von menschlichem Gedeihen."
Groß genug, dass sie jeden Ort mit einbezieht, und nicht vor dem Leid Schluss macht.
Es ist vor allem eine Vision davon, dass wir nicht dafür geschaffen wurden, als Einzelkämpfer durch die Weltmeere zu schippern, den Wellen ausgeliefert denen wir alleine gar nicht gewachsen sind, aber auch nicht dafür, in der Masse unterzugehen, sich selbst dabei zu verlieren.
Das Gedeihen des Menschen zur vollen Blüte passiert, wo ich existieren kann in der Gruppe, ohne Angst mich zu verlieren, weil ich weiß, dass ich mein Zuhause schon gefunden habe, auch wenn ich noch nicht weiß, wo es ist.
Klingt wie eine Schon-Jetzt-Noch-Nicht Hoffnung.

God Bless,
Restless Evangelical

P.S. das Originalzitat:


"This is an expression of human flourishing, which is always about the one and the many, about the realization and expression of what is life giving and creative, of what is passionate and meaningfull. These features of human flourishing are found across cultures and time. They're formal and informal, public and private, common and exceptional. This flourishing happens at home, within families, on the athletic field, in business meetings, in classrooms, in communities of care, in the midst of joy but also of pain, in the context of poverty but also of wealth, in whatever the language or medium or context in which it occurs." (Labberton, Mark, Called. The Crisis and Promise of Following Jesus Todas, Downers Grove: InterVarsity Press 2014, S.13; deutsch durch mich)

Dienstag, 21. Oktober 2014

Davon die Alten sungen... (21.10.2014)


Gerhard Teerstegen – Gott rufet noch #3

Gib dich, mein Herz, gib dich nun ganz gefangen,
wo sonst willst du Trost, wo willst du Ruh' erlangen?
Laß los; brich alle Band entzwei!
Dein Geist wird sonst in alle Ewigkeit nicht frei.“

In der Serie „The Good Wife“ gibt es eine Stelle, in der ein Mann versucht, einen Priester zu erpressen, mit einer Geschichte über Crack aus der Vergangenheit des Gottesmannes. Als dieser darauf angesprochen wird, ist er keinen Moment schockiert. Er weiß, dass es nicht darum geht, sich selbst als perfekten Menschen darzustellen im Christentum, sondern daran, an einen großen Retter zu glauben. „Erzählen sie es ruhig meiner Gemeinde.“, sagt er, weil er sich frei weiß von den Ketten, die ihn früher gehalten haben.
Diese Szene hat mir in Erinnerung gerufen, dass es immer eine Art Gott gibt, an dem wir hängen. Zumindest, wenn wir die Definition von „Gott“ ein wenig weiter fassen als ein kulturell-religiöses Phänomen, und definieren, dass ein Gott alles sein kann, an das man sein Herz hängt, von dem man Freude und Erlösung und Erfüllung erwartet.
Was alles sein kann. Alles.
Derek Rishmawy hat vor ein paar Tagen darüber geschrieben, dass jeder einen Gott in diesem Sinne hat, und das Problem ist, dass jeder seinen Gott an der einen oder anderen Begebenheit enttäuscht. Das Geld kann nicht immer zu dir strömen, deine Macht kannst du nicht immer ausbauen, und Sex wird irgendwann fade und langweilig, wenn man ihn nicht dauerhaft mit einer Person teilen kann (vgl. Barney Stinson).
Das Lied erinnert mich jeden Morgen daran, dass es eine Freiheit ist, in die ich mich hingebe. Ich gebe mich selbst gefangen; aber gefangen von einer Freiheit, die ich mir vorher gar nicht habe vorstellen können.
Es ist die Freiheit von Schuld.
Nicht die Freiheit, zu tun was immer ich will.
Sondern die Freiheit, zu tun, was wirklich gut tut, und nicht länger gebunden zu sein von schlechtem Gewissen und von den Leidenschaften, die mich zu dem treiben, was mir nicht gut tut.
Oftmals stolpere ich beim Singen über die erste Zeile dieser Strophe – die Aufforderung an mein Herz, sich gefangen zu geben. Es klingt irgendwie masochistisch, als würde ich mich selbst nach Sibierien schicken, um in den Gulags zu arbeiten.
Das Bild erschließt sich mir nur, wenn ich die Freude begreife, die in der Dienerschaft Jesu liegt. Immerhin ist das griechische Wort doulos, das Diener, oder Sklave, bedeutet, eines der häufigsten Substantive, die das Neue Testament für die Nachfolger Jesu benutzt. Das waren Menschen, die alles aufgegeben haben – eine vielversprechende Karriere, Familie und Freunde, Zuhause und Vermögen, um Jesus nachzufolgen. Und sie haben trotzdem bekannt: „[D]as Leben heißt für mich Christus und Sterben Gewinn.“ (Phil 1,21; NeÜ)
Wenn ich so darüber nachdenke, wie ich jeden Morgen bekenne, dass ich mein Herz gefangen geben will, wird mir mehr und mehr deutlich, dass die Freiheit die in der Nachfolge Jesu liegt, etwas ist, das man nur unterwegs verstehen kann. Es ist nichts, was ich meinen Anders-denkenden Freunden schmackhaft machen kann, indem ich ihnen erkläre, wie mein leben funktioniert. Wie sollte ich das, wenn die Nachfolge Jesu bedeutet, die Kultur in Frage zu stellen, und die Erfüllung an einem vollkommen anderen Ort zu finden, als an den Orten, wo die Gesellschaft mich hintreibt?
Aber ich selbst erlebe es, im Rückblick auf meinen Weg mit Jesus bis hier hin, dass ich mich von der Freiheit gefangen nehmen lassen möchte, die in der Nachfolge Jesu liegt. Ich will nicht nur von außen drauf schauen, sondern will mitten hineinspringen, und wie Rala in „Rumo und die Wunder im Dunkeln“ das Schwimmen beim Sprung in das kalte Wasser lernen. Das Gefangennehmen-lassen ist der erste Schritt in die Freiheit, die ich mir wünsche.
Da wartet eine ewige Freiheit auf mich, und die will ich nicht verpassen.
Ich will springen und sehen, dass ich schwimmen kann, weil ich einen Lehrer habe, der es mir beibringen kann, wenn ich springe.

God Bless,

Restless Evangelical

Montag, 20. Oktober 2014

Häppchen-Weise #37


Mark Labberton, Präsident des renommierten Fuller Theological Seminary in Californien, beginnt sein neues Buch „Called“ mit einem großartigen Gedanken:

Als junger College Student zog ich die Möglichkeit in Betracht, den Christlichen Glauben anzunehmen. Aber was ich am meisten daran fürchtete, was, dass er mein Leben irgendwie kleiner machen würde, und nicht größer – weniger Liebe, weniger Freude, weniger Kreativität, weniger Staunen, weniger Einsatz. Ich hatte auch genug Christen getroffen, die der fleischgewordene Beweis dafür waren. Und als ich schlussendlich zum Glauben an Jesus kam, lag es daran, dass ich erkennte, dass Jesus die Menschen tatsächlich gerade von genau der Winzigkeit rettet, vor der ich mich fürchtete. Ich erkannte den Kern des Reiches Gottes als ein Leben, der größer war als alles, was ich außerhalb davon finden konnte.“ (Labberton, Mark, Called. The Crisis and Promise of Following Jesus Todas, Downers Grove: InterVarsity Press 2014, S.5; deutsch durch mich)

Jesus zu folgen ist nicht einfach, das hat nie jemand behauptet.
Aber wenn wir andere Menschen darin helfen wollen (und es selbst tun wollen), müssen wir eine Vision dafür entwickeln, dass das Leben mit Jesus mehr zu bieten hat, als alles, was die Welt uns bieten kann. Ein größeres Leben und vor allem, eine größere Hoffnung.

God Bless,
Restless Evangelical

P.S. Das Originalzitat:

When I was considering the possibility of embracing the Christian faith as a young college student, what I feared most was that it would make my life smaller rather than larger – less love, less joy, less creativity, less wonder, less engagement. I had met enough Christians who were incarnational proof of this, so when I finally came to faith in Christ as a college student, it was because I discovered that Jesus saves people from the very smallness I feared. I saw the very essence of the kingdom of God as a life bigger than I would ever find outside of it.“ 

Sonntag, 19. Oktober 2014

Vier Plus 1 Am Sonntag – 19.10.2014


A. Ich mag Jennifer Lawrence und war schockiert, als ihre Fotos gehackt wurden. #HateCelebGate! In diesem Artikel antworten die Freunde drüben bei Fight the new Drug auf eine Aussage von Lawrence in ihrem ersten Interview, seitdem ihre Fotos veröffentlicht wurden.
Mich hat der Artikel bewegt, auch wenn der persönliche Stil nicht wirklich angemessen ist. Vor allem ist mir nahe gegangen, wie die Autoren aufzeigen, dass es einer 'pornographisierten' Kultur zu verdanken ist, dass CelebGate überhaupt solche Wellen schlagen konnte. Das unterschwellige „Sich-Abgefunden-Haben“ mit dem allgegenwärtigen Sex in unserer Gesellschaft, dem degradieren von Frauen auf ihren Körper (oder Männern, wenn ihr so wollt) sind ungesund und zerstören unser natürliches Verhältnis unserem eigenen Körper und zu den anderen Menschen.
Deswegen hat mich der offene Brief bewegt. Über den Ton mag debattiert werden können.

B. Ich empfehle wahrscheinlich viel zu oft, was Andrew Wilson schreibt. Aber als jemand, der auch eher in der Gefahr steht, Wahrheit um der Liebe willen zu verschweigen, hat mich der Artikel sehr berührt. Schweigen kann eben auch eine starke Aussage sein. Nur meine Frage ist weiterhin, wie ich diese Dinge kommuniziere, ohne dass ich abstoße und so, dass die Gnade und heilende Umarmung Jesu dabei rüberkommt.

C. Drüben auf Rachel Held Evans' Blog antwortet Julie Rodgers auf die Fragen, die ihr im Rahmen der Reihe über Matthew Vines' Buch „God and the Gay Christian“ gestellt wurden. Julie ist Christ, lebt mit homosexuellen Leidenschaften, und hat sich auf Grund ihres Glaubens für einen zölibatären Weg entschieden, ihr Leben zu führen. Sie schreibt auch regelmäßig Beiträge für spiritualfriendship.org, was ich euch an anderer Stelle schon empfohlen habe. Ihre Antworten auf die Fragen sind geprägt von einer tiefen Liebe zu Jesus, einem wachen Auge für Wahrheit und Schönheit, und vor allem von einem Leben, in dem die Gnade mehr und mehr Raum einnehmen darf. Sie ist mir ein großes Vorbild.

D. Mark Driscoll tritt als Pastor von Mars Hill Church zurück. Trevin Wax schreibt in der ihm eigenen Weise, mit Weisheit und Gnade und einem wachen Auge für die Probleme unserer evangelikalen Subkultur darüber, was wir aus dem Desaster lernen können und sollten. Roger Willemsen sagt in dem großartigen Programm 'Ich gebe ihnen mein Ehrenwort' an einer Stelle mal: „Es macht einfach Spaß, Idole zu vermenschlichen.“ Dabei sollten wir allerdings unsere Motive prüfen; es ist kein Zeichen von Jesus-Nachfolge, wenn wir Idole vermenschlichen, um unser eigenes Selbstwertgefühl zu boosten („Kein Wunder, dass meine Gemeinde so klein ist; ich bin ja auch schon weiter in der Heiligung als Pastor XY“).


Und einen zum Schluss: Dieser Sermon Jam von Tim Keller war nicht nur sehr bewegend, sondern auch der erste von Tim Keller, den ich je gehört habe. Seine Art, Jesus und das Evangelium aus jedem Text zu filtern, fasziniert mich und bringt mein Herz zum Singen.

Freitag, 17. Oktober 2014

Nicht: Ich bin, der ich vielleicht sein könnte


Das Glück, Gott nicht nur zu erahnen.

„Aber woher weißt du denn, dass er wirklich so ist?“, hat sie mich gefragt, und dann stand die Frage im Raum. Die Geräuschkulisse war vom Rollen der Skateboards auf dem Hallenboden, und sie kam aus den Niederlanden. Wir trafen uns mitten in Neu Delhi, und bei einem grauenhaft schlechten Kaffee kamen wir ins Gespräch über den Gott, an den ich glaube.
Dabei ist die Frage meistens gar nicht so sehr, ob es einen Gott gibt, irgendein transzendentes Wesen, das irgendwie auch in dieser Welt ist. „Irgendwie“ ist dabei das entscheidende Wort. Und ich finde das sehr sympathisch. Es entspricht der Kultur von heute, dass „irgendwie“ der Vorrang eingeräumt wird gegen „genau so“, und zeigt damit eine gewisse Skepsis gegen eine aufgeblähte Selbstüberschätzung.
Das Problem ist aber, dass ich diese Form von Spiritualität irgendwie unbefriedigend finde. Denn wenn man im Anschluss an die Übereinstimmung - „Ja, natürlich glaube ich, dass es einen Gott gibt!“ - darauf zu sprechen kommt, wie dieser Gott eigentlich ist, dann stößt man meistens auf eine merkwürdig verklärte Form des Bekenners selbst, eine weiche Form von Übernatürlichkeit, die irgendwie mit Liebe und mit Freundlichkeit in Verbindung gebracht wird, die belohnt, was man Gutes tut, und lächelt, wenn man mal Schabernack und Schalk treibt.
Als ich einmal in der Mitfahrgelegenheit mit dieser Ausformulierung des Transzendenten konfrontiert war, habe ich meinen Gesprächspartner die selbe Frage gestellt, wie mein niederländische Freundin sie mir in Neu Delhi gestellt hat: „Woher weißt du, dass Gott so ist?“
Er war etwas verwirrt wegen der Frage und ließ sich einen Moment Zeit zu antworten. Dann sagte er, bedächtig, fast meditativ: „Ich glaube, ich erahne ihn einfach.“
Ein Klassiker.
Ein Klassiker deswegen, weil er recht hat: Von der Realität Gottes können wir etwas erahnen, und das ist sogar in uns angelegt. Aber es ist nicht alles. Das größere Geschenk als die Ahnung von einer transzendenten Realität ist, dass er uns anbietet, dass wir ihn kennen können.

Warum wir ihn erahnen können.
Nun ist es ja gar nicht so falsch, zu erahnen, wer Gott ist. Mir ist das vor einigen Tagen wieder aufgefallen, als ich zum ersten mal begonnen habe, Calvins „Unterricht in der christlichen Religion“ zu lesen.
Er schreibt:
„Niemandem sollte der Zugang zur Seligkeit verschlossen bleiben; deshalb hat Gott nicht nur dem Menschenherzen das geschenkt, was wir den Keim der Religion nannten. Er hat sich auch derart im ganzen Bau der Welt offenbart und tut es noch heute, daß die Menschen ihre Augen nicht aufmachen können, ohne ihn notwendig zu erblicken.“ (Calvin, Unterricht in der Christlichen Religion, Neunkirchen-Vluyn 2009, I.5.1)

Wenn Calvin damit recht hat (und davon gehe ich aus und Röm 1 sagt etwas sehr ähnliches), dann sind die vielfältigen Eindrücke die wir haben – nicht nur das, was wir in der Natur bestaunen können und das uns einen Eindruck von Ehrfurcht gibt, sondern auch die Sehnsucht, die wir in uns erkennen danach, mit Gott in Verbindung zu stehen – die Geschenke Gottes für uns, die uns dazu treiben, Gott immer mehr zu suchen.
Das ist es wohl, was mein Gesprächspartner als „ich erahne ihn“ meinte.
Gleichzeitig sind die Eindrücke aber auch so mannigfaltig, dass uns das Chaos der Ausdrücke unserer Spiritualität gar nicht verwundern sollte. Wenn die Grundlage für unsere Gotteserkenntnis alle die Schnipsel von Gotteserkenntnis sind, die wir jeden Tag mit offenen Augen aufnehmen (und Calvin sagt: Wir können gar nicht anders), dann kann diese Gotteserkenntnis gar nicht zu irgendetwas anderes führen als Chaos in unserer Seele.
Nicht, dass wir uns dessen bewusst sind. Unsere engsten Freunde haben das gleiche Chaos, unsere geistlichen Leiter (Schauspieler und Musiker und Youtube-Berühmtheiten) befürworten das Chaos sogar, finden im Chaos eine Art von avantgardistischer Kunst, die es zu schützen und zu pflegen gilt.
Aber Chaos ist es trotzdem, nichts greifbares, sondern ein unerklärliches Gewusel, dem wir versuchen, den Begriff 'Liebe' zu überschreiben, weil dieser Begriff die Erfahrung beschreibt, die für uns am Nächsten an die wahren, schönen und guten Eindrücke heranreicht. Nicht, dass wir definieren könnten, was 'Liebe' überhaupt ist, aber dennoch.

Wer Ruhe ins das Chaos spricht.
Wenn wir erst einmal zu dem Punkt kommen, an dem wir bereit sind, das Chaos in unserem Kopf, das Chaos unserer Vorstellungen davon, wie Gott ist, als genau das zu erkennen: Ein Chaos, dann ist es nicht mehr weit, auch den Schritt zu gehen, zu erkennen, dass ein solches Chaos keinen Halt bietet, wenn es einmal hart auf hart kommt.
Als Menschen sind wir nicht dafür gemacht, mit einer nebulösen Vorstellung von Gott zu existieren, sondern der Sehnsucht in unserem Herzen ein Gegenüber zu suchen (und zu finden), an dem sie sich ausrichten kann. Karen Armstrong nennt den Menschen einen Homo Religiosus – einen unaufgebbar religiösen Menschen. Selbst Atheisten finden das stärkste identitätsstiftende Element darin, dass sie eben nicht glauben, dass es Gott gibt. In einer Weise liegt also auch für sie ihre Identität in ihrer Beziehung zu Gott.
Wenn wir das Chaos in unserer Spiritualität also als Chaos erkennen, brauchen wir jemanden, der Ordnung und Ruhe dort hineinbringt; der in einem aufgewühlten Meer einen sicheren Hafen findet und zur Not das ständige Kreisen um das, was Gott vielleicht sein könnte, zur Ruhe bringt.
Was der Punkt ist, an dem Jesus ins Spiel kommt.
Ich finde es immer wieder erstaunlich, zu sehen, dass keine große Religion der Welt an dieser Person vorbeikommt. Nur der Islam braucht den Propheten Muhammad, die Tradition der Rabbis hat nur dem orthodoxen Judentum etwas zu sagen und die Veden sind vielleicht irgendwie geistig erhebend, weil teilweise hoch philosophisch, aber außer dem Hinduismus findet keine Religion darin eigentlich geistliche Wahrheiten.
Nur die Figur von Jesus von Nazareth findet sich in allen Religionen.
Weil wir nicht an ihm vorbeikommen; weil er da in der Mitte der Geschichte steht und wir irgendwie mit ihm umgehen müssen.
Wenn wir uns die Religionsgeschichte ansehen, dann erkennen wir, dass Jesus von Nazareth so etwas wie ein Ankerplatz ist für die diversen Versionen von spiritueller Suche, die jeder Mensch auf sich nimmt.
Immerhin war es Jesus, der von sich gesagt hat: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ (Joh 14,9; NeÜ)
Was so ungefähr bedeutet: „Du bist auf der Suche nach Gott? Du hast das Chaos von Eindrücken im Kopf, aber nichts Konkretes? Du ahnst Gott, aber kennst ihn nicht?
Lass mich helfen.“
Sich Jesus zu nähern bedeutet, Gott kennen zu lernen. Das ist nicht etwas, das von jetzt auf gleich passiert – so wie ich von meinen engsten Freunden immer wieder Neues erfahre. Aber sich Jesus zu nähern bedeutet auch Ruhe zu finden in dem Chaos von Ahnungen über Gott, weil er sagt: Ich will euch Ruhe schenken – Erkenntnis und Offenbarung Gottes.

Wie er Ruhe in das Chaos spricht.
Im Laufe der Geschichte hat Jesus viele Wege benutzt, auf denen sich Menschen ihm genähert haben. Und das ist ein faszinierender Teil unserer Gesellschaft. Aber an der Bibel ist keiner vorbeigekommen. Etwas ist an dem Buch, das es zu mehr macht als nur einem Dokument menschlicher Geschichte.
Wie in dem Film „The Book of Eli“, in der selbst der große Böse erkennt, dass kein Buch so viel Macht hat wie dieses.
Und das ist der zweite Punkt, an dem mich eine Stelle in Calvins Institutio bewegt hat.
Calvin schreibt:
„[E]s bedarf eines anderen Mittels, das uns zuverlässig zum Schöpfer der Welt selber weise. Deshalb hat Gott mit gutem Grunde das Licht seines Wortes hinzugegeben, um sich uns dadurch zu unserem Heil kundzumachen. […] Aller Menschen Gemüter sah er durch schweifende und unbeständige Gedanken umgetrieben. […] Denn so wie alte Leute, Schwachsichtige und Augenkranke, wenn man ihnen auch den schönsten Band vor die Augen hält, zwar merken, daß da etwas geschrieben steht, aber kaum zwei Worte zusammensetzen können, dann aber mit Hilfe einer Brille deutlich zu Lesen anfangen – so bringt die Schrift unser sonst so verworrenes Wissen um Gott in die richtige Ordnung, zerstreut das Dunkel und zeigt und deutlich den wahren Gott.“ (Ebd. I.6.1)

Jesus ordnet unser Chaos, indem er durch die Bibel uns zeigt, wer Gott ist.
Indem wir Gott kennenlernen dürfen, uns nähern dürfen, durch ihn, Jesus.
Was die Antwort wäre, die ich auch heute noch meiner Freundin aus den Niederlanden mitten in Neu Delhi geben würden. „Woher weißt du, dass Gott so ist?“
„Weil ich ihn nicht nur erahne. Weil ich das Glück habe, ihn zu kennen. Woher, fragst du? Weil es da diesen Mensch gab, der gleichzeitig Gott war, und der hat uns vorgestellt.“

God Bless,

Restless Evangelical