Dienstag, 14. Oktober 2014

Davon die Alten sungen... (14.10.2014)


Gerhard Teerstegen – Gott rufet noch #2

Gott rufet noch, sollt ich nicht endlich kommen?
Ich hab so lang die treue Stimm' vernommen;
ich wusst es wohl: ich war nicht wie ich sollt.
Er winkte mir – ich habe nicht gewollt.“

Es gibt diese Begebenheit in den Evangelien, in denen Jesus einen Mann befreit, der seit Jahren unter dämonischer Besessenheit gelitten hat. Jesus befreit ihn von seiner Gebundenheit, und er sitzt sauber, angezogen und mit einem klaren Verstand zu seinen Füßen.
Ein Wunder, wie wir es uns manchmal wünschen.
Die Reaktion der Menschen in der Umgebung ist aber, dass sie Jesus wegschicken und ihn bitten, nicht mehr wiederzukommen. Seine Macht macht ihnen Angst und sie bitten ihn, zu verschwinden.
Wenn ich die zweite Strophe von Teerstegens Lied singe, muss ich an die Momente denken, in denen es mir ähnlich geht: Momente, in denen ich mit Jesus nichts zu tun haben will und in dem er mich zwingen muss, dass ich mich mit ihm befasse. Diese Momente sind meistens die Augenblicke, in denen ich mir meiner Sünde bewusst bin wie selten sonst. Es gibt diese Phasen in meinem Leben, in denen meine Falschheit und meine Selbstzentriertheit mir so deutlich vor Augen stehen, dass ich mich gar nicht mehr Jesus nähern will. Weil ich nicht glauben kann, dass er mich noch einmal in seiner Gegenwart willkommen heißt; wieder mit den gleichen Fehlern, wieder mit den gleichen Bekenntnissen auf den Lippen, und der hohen Wahrscheinlichkeit, dass ich in einigen Tagen, Wochen oder auch Stunden wieder an diesem Ort stehe.
Und ich denke: Ich bin nicht einmal, wie ich sein wollte. Viel weniger noch, wie ich sein sollte.
Aber Gott ruft mich dennoch immer noch. Und das macht mich sprachlos und macht mich glücklich zugleich. Eine laute, jubelnde Sprachlosigkeit nimmt mich dann gefangen. Weil Gott mich nicht nur ruft; was mich sprachlos jubeln lässt, ist, was er ruft:
Du bist nicht, wie du sein solltest. Aber Jesus war es, ist es, schenkt es dir.“
Und ich darf wieder zum ersten Mal dankbar sein für die gereinigte Beziehung, die ich mit meinem Schöpfer habe. Dankbar laufe ich an diesen Ort, an dem ich die Annahme erlebe, die ich mir nicht erkaufen kann mit dem, was ich tue und zu leisten im Stande bin, und sage nichts, juble lautlos vor meinem Gott, der sagt: „Gut gemacht, mein treuer und geliebter Diener.“
Ich wundere mich, weil ich nicht weiß, wann ich treu war, und wieso ich geliebt bin.
Aber er zeigt auf seinen Sohn, und ich verstehe.
Gottes Gerechtigkeit gehört mir, wegen allem, was Jesus für mich getan hat.
Deswegen ruft er auch immer noch.
Und ich bete: Gott, rufe weiter, bis ich endlich da bin.

God Bless,

Restless Evangelical

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