Dienstag, 21. Oktober 2014

Davon die Alten sungen... (21.10.2014)


Gerhard Teerstegen – Gott rufet noch #3

Gib dich, mein Herz, gib dich nun ganz gefangen,
wo sonst willst du Trost, wo willst du Ruh' erlangen?
Laß los; brich alle Band entzwei!
Dein Geist wird sonst in alle Ewigkeit nicht frei.“

In der Serie „The Good Wife“ gibt es eine Stelle, in der ein Mann versucht, einen Priester zu erpressen, mit einer Geschichte über Crack aus der Vergangenheit des Gottesmannes. Als dieser darauf angesprochen wird, ist er keinen Moment schockiert. Er weiß, dass es nicht darum geht, sich selbst als perfekten Menschen darzustellen im Christentum, sondern daran, an einen großen Retter zu glauben. „Erzählen sie es ruhig meiner Gemeinde.“, sagt er, weil er sich frei weiß von den Ketten, die ihn früher gehalten haben.
Diese Szene hat mir in Erinnerung gerufen, dass es immer eine Art Gott gibt, an dem wir hängen. Zumindest, wenn wir die Definition von „Gott“ ein wenig weiter fassen als ein kulturell-religiöses Phänomen, und definieren, dass ein Gott alles sein kann, an das man sein Herz hängt, von dem man Freude und Erlösung und Erfüllung erwartet.
Was alles sein kann. Alles.
Derek Rishmawy hat vor ein paar Tagen darüber geschrieben, dass jeder einen Gott in diesem Sinne hat, und das Problem ist, dass jeder seinen Gott an der einen oder anderen Begebenheit enttäuscht. Das Geld kann nicht immer zu dir strömen, deine Macht kannst du nicht immer ausbauen, und Sex wird irgendwann fade und langweilig, wenn man ihn nicht dauerhaft mit einer Person teilen kann (vgl. Barney Stinson).
Das Lied erinnert mich jeden Morgen daran, dass es eine Freiheit ist, in die ich mich hingebe. Ich gebe mich selbst gefangen; aber gefangen von einer Freiheit, die ich mir vorher gar nicht habe vorstellen können.
Es ist die Freiheit von Schuld.
Nicht die Freiheit, zu tun was immer ich will.
Sondern die Freiheit, zu tun, was wirklich gut tut, und nicht länger gebunden zu sein von schlechtem Gewissen und von den Leidenschaften, die mich zu dem treiben, was mir nicht gut tut.
Oftmals stolpere ich beim Singen über die erste Zeile dieser Strophe – die Aufforderung an mein Herz, sich gefangen zu geben. Es klingt irgendwie masochistisch, als würde ich mich selbst nach Sibierien schicken, um in den Gulags zu arbeiten.
Das Bild erschließt sich mir nur, wenn ich die Freude begreife, die in der Dienerschaft Jesu liegt. Immerhin ist das griechische Wort doulos, das Diener, oder Sklave, bedeutet, eines der häufigsten Substantive, die das Neue Testament für die Nachfolger Jesu benutzt. Das waren Menschen, die alles aufgegeben haben – eine vielversprechende Karriere, Familie und Freunde, Zuhause und Vermögen, um Jesus nachzufolgen. Und sie haben trotzdem bekannt: „[D]as Leben heißt für mich Christus und Sterben Gewinn.“ (Phil 1,21; NeÜ)
Wenn ich so darüber nachdenke, wie ich jeden Morgen bekenne, dass ich mein Herz gefangen geben will, wird mir mehr und mehr deutlich, dass die Freiheit die in der Nachfolge Jesu liegt, etwas ist, das man nur unterwegs verstehen kann. Es ist nichts, was ich meinen Anders-denkenden Freunden schmackhaft machen kann, indem ich ihnen erkläre, wie mein leben funktioniert. Wie sollte ich das, wenn die Nachfolge Jesu bedeutet, die Kultur in Frage zu stellen, und die Erfüllung an einem vollkommen anderen Ort zu finden, als an den Orten, wo die Gesellschaft mich hintreibt?
Aber ich selbst erlebe es, im Rückblick auf meinen Weg mit Jesus bis hier hin, dass ich mich von der Freiheit gefangen nehmen lassen möchte, die in der Nachfolge Jesu liegt. Ich will nicht nur von außen drauf schauen, sondern will mitten hineinspringen, und wie Rala in „Rumo und die Wunder im Dunkeln“ das Schwimmen beim Sprung in das kalte Wasser lernen. Das Gefangennehmen-lassen ist der erste Schritt in die Freiheit, die ich mir wünsche.
Da wartet eine ewige Freiheit auf mich, und die will ich nicht verpassen.
Ich will springen und sehen, dass ich schwimmen kann, weil ich einen Lehrer habe, der es mir beibringen kann, wenn ich springe.

God Bless,

Restless Evangelical

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen