Dienstag, 28. Oktober 2014

Davon die Alten sungen... (28.10.2014)


Gerhard Teerstegen – Gott rufet noch #10

Herr, rede nur, ich geb begierig acht;
führ wie du willst, ich bin in deiner Macht.‟

Wenn ich morgens dieses Lied von Teerstegen singe, dann schließe ich grammatisch nicht mit einem Wunsch, sondern mit einem Bekenntnis: Ich sage vor Gott aus, dass ich höre, was er zu sagen hat, und dass ich folge, wohin er führt.
Dabei muss ich regelmäßig daran denken, dass es eigentlich eine Lüge ist, die ich morgens ausspreche, sollte ich sie wirklich als Aussage meinen. Nicht, dass ich mich nicht danach sehnen würde; nicht, dass ich nicht jeden Tag mehr vertrauen lernen will, ihm zu folgen, wohin er mich führt; nicht, dass ich nicht merke, dass mir das Studieren seines Wortes und das Beschäftigen mit dem, was er über sich gesagt hat, meine Seele aufatmen lässt.
Es ist nur nicht die Realität in meinem Leben, dass ich 'begierig acht' gebe, was er sagt. Viel zu oft gebe ich lieber begierig acht, dass ich die 30 Minuten mehr schlafen kann am Morgen, als mich aus dem Bett zu schälen und mich mit seinem Wort zu befassen. Es stimmt auch nicht, dass er 'führ wie du es willst, ich bin in deiner Macht.' Zumindest nicht emotional. Theologisch mag ich dem zustimmen – ja, Gott der Weltenlenker hat auch meinen Weg in seiner Hand – aber es passiert genug in meinem Leben, bei dem ich nicht denke, dass er es in der Hand hatte.
Oder ich gar nicht zufrieden bin damit, wie er es geführt hat.
Und ich sage nicht, dass es optimal so ist.
Ich denke aber, dass es auch okay so ist.
Mit jedem Tag, in dem ich mehr verstehe von der Gnade, die mir Jesus schenkt, erkenne ich auch, wie zentral das Gespräch ist, um meine Beziehung zu Jesus vital zu halten. Die evangelikale Subkultur bietet mir alle Möglichkeiten, wie ich eine Beziehung vorspielen kann, und wie ich von Dingen singen kann, die gar nicht mit meiner aktuellen Lage zu tun haben. Aber wenn ich mit meinem Herrn rede, und an diesem Ort bekennen kann, wo ich ringe und wo ich mir meiner Fehler immer bewusster werden, und wie sehr ich heute wieder erkennen muss und will, dass ich seine Gerechtigkeit anziehen durfte die ein weißes, frisch-gewaschenes Gewand, kann ich auch diese zwei Zeilen singen.
Nicht als Bekenntnis, wie ein verbales auf die Schulter klopfen und zum Ausdruck bringen: „Ich habe verstanden, dass es so sein muss, deswegen folge ich.‟
Es ist ein Wunsch, den ich vor Jesus ausdrücke.
Wunsch, und Hoffnung.
Ich sehe auf meinem Weg zurück und erkenne, wie viel ich gelernt habe in den letzten Jahren, wie es Jesus wirklich gelungen ist, mich manche Fehler und falsche Verhaltensweisen ablegen zu lassen, die ich als meine ewigen Wegbegleiter und Steine in meinem Schuh betrachtet habe. Ich reise heute mit leichterem Gepäck Richtung Herrlichkeit, als ich es noch vor 5 Jahren gemacht habe.
Aber ich reise nicht ohne Gepäck. Ich trage noch unnötigen Ballast, und vielen davon loszulassen ist schmerzhaft und eigentlich nie einfach, weil ich sie für unaufgebbar halte.
Also drücke ich diesen Monat jeden Morgen meine Hoffnung gegenüber meinem Gott aus:
„Jesus, ich bin noch nicht da, wo ich dein Wort so sehr schätze wie ich es sollte. Und ich vertraue dir nicht immer so, wie es gut wäre. Aber irgendwann komme ich an diesen Ort. Wahrscheinlich auf der anderen Seite der Herrlichkeit.
Jesus, führe mich weiter hinauf und weiter hinein.
Zeig mir die Schönheit deines Plans noch einmal für eine einzige Sekunde, damit ich meinen Kompass wieder darauf norden kann. Lass mich schmecken, dass deine Worte morgens süß sind wie der Honig, der frisch aus der Wabe kommt. Lass es mich schmecken, damit ich mir wieder bewusst werde – und mehr und mehr bewusst werde – dass du genug bist.‟
Das ist nicht Realität. Das ist Wunsch!
Ein tiefer Wunsch dennoch, weil ich jetzt schon lange genug mit Jesus unterwegs bin, dass ich genau weiß, dass ich meine Instinkten nicht immer trauen kann, wenn es darum geht, wofür ich eigentlich geschaffen wurde.

God Bless,

Restless Evangelical

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen