Donnerstag, 2. Oktober 2014

gelesen & geschätzt #11

Nichts Neues unter der Sonne.

Rezension zu: Koleoso, Tope & Adrian Warnock, Hope Reborn. How to Become a Christian and Live for Jesus, Geanies House: Christian Focus Publishing 2014

Ich denke, es gibt zwei gute Gründe, ein Sachbuch zu schreiben. Zum Einen solltest du ein Buch schreiben, wenn du etwas zu sagen hast, das so noch nie oder schon sehr lange nicht mehr gesagt wurde. Wahrheit sollte ausgesprochen werden, und jede Generation braucht ihre eigenen Stimmen, die ihnen die Wahrheit nahebringen.
Weitaus häufiger werden aber Bücher geschrieben, und ich denke auch mit allem Recht, nicht weil etwas neues gesagt wird, sondern weil das Altbekannte gesagt wird, nur auf eine neue Art und Weise. Sprache ist in einem ständigen Wandel begriffen, und immer wieder trauen sich Autoren auch mehr, mit Sprache zu spielen. Der weitaus größte Teil der Bücher, die jedes Jahr herauskommen, sagen nichts Neues, aber die Guten sagen es auf eine neue Art – sie sehen neue Verknüpfungen vielleicht, ordnen das Material neu um einen spannenden Einstieg zu gewährleisten, oder haben einfach eine andere Art, das Altbekannte zu präsentieren.
Bei Topes und Adrians neuem Buch, das vor wenigen Wochen erschienen ist, habe ich mich tatsächlich gefragt, wieso dieses Buch geschrieben wurde. Es sagt nichts Neues, und es sagt das Alte auch nicht auf neue Art und Weise.

Ein hoher Anspruch
Ich habe mir das Buch mit einer recht hohen Erwartung gekauft. Und wenn man das Buch öffnet (ich habe es auf dem Kindle gelesen), dann fängt es mit vielen Seiten von 'Empfehlungsschreiben' an. Tatsächlich haben Tope und Adrian die erste Garde der evangelikalen Bewegung aufgefahren, die sich nicht mehr übertreffen könnten in ihren Empfehlungen für das Buch. Es wird empfohlen, weil es nicht nur auf einfache Weise die Gute Nachricht für Anders-Denkende erklärt (endlich ein Buch, das man ohne Bedenken weitergeben kann!), sondern auch noch aufzeigt, wie das Evangelium im Leben des Christen nie 'überwunden' wird, sondern unser Lebenselixier ist, unsere Luft zu atmen. Und so definieren die Beiden auch ihre Zielgruppe sehr weit. In der Einführung nennen sie fünf Zielgruppen:
„If you are new to Christianity […]. If you have already explored the faith […]. If you once had faith in Jesus, but have drifted away […]. Or perhaps you have gone to church all your life [… and] have always assumed you are christian […]. If you are confident that you are a Christian.“ (Pos. 101).
Mit anderen Worten: dieses Buch ist für alle!
Und weil nicht wenige bekannte und respektierte Leiter sagen, dass sie dieser Zielsetzung auch gerecht werden, habe ich das Buch mit einer sehr hohen Erwartung gelesen. Als zukünftiger Leiter kann man nicht genug Ressourcen haben, die sich weiterzugeben lohnt. Und nach allem, was ich vorher gelesen hatte, habe ich in diesem Buch einen Selbstläufer erwartet.
Du hast eine Frage? Hier ist genau das richtige Buch.
Wieso nicht? Gehörst du etwa nicht zu einer dieser fünf Gruppen?

Eine mittelmäßige Realität
Zugegeben, das Buch ist nicht schlecht. Es erklärt das Evangelium, die Gnade Gottes und die Herrlichkeit, die darin liegt, die Hoffnung, die daraus geboren wird, in einfachen und teilweise eindrücklichen Worten. Und ich erwarte auch gar nicht mehr, immer etwas Neues zu lernen.
Das Buch geht mit dem Leser sieben einfache Schritte auf das Evangelium zu. Es zeigt, dass wir demütig zu Jesus kommen müssen, unsere eigene Fehlerhaftigkeit und Erlösungsbedürftigkeit erkennen müssen (am Beispiel der Prostituierten, die Jesu Füße wäscht). Sie erklären, was der Tod Jesu und seine Auferstehung eigentlich mit uns zutun haben, wonach sie die ganz praktischen Schritte erklären, wie man sich diese geschichtliche Realität zu eigen machen kann. Sie erklären, wie es danach weiter geht, wie das Leben als Christ aussieht, und das Veränderung möglich ist; zum Schluss haben sie noch zwei Kapitel, in denen sie die Bedeutung von Bibellesen und Gebet aufzeigen und einfache Möglichkeiten vorstellen, wie man als 'Laie' diese Dinge in sein Leben integrieren kann.
Alles keine schlechten Dinge.
Nur auch nichts Neues, weder in der Darstellung, noch im Inhalt.
Die erwarteten Exkurse für Christen fehlten eigentlich vollkommen. Ich weiß nicht, in wie weit dieses Buch einem Christen helfen soll, der denkt, er habe das Evangelium 'überwunden'. Obwohl ich denke, dass ich das Evangelium jeden morgen neu brauche, und es gar nicht überwinden will, habe ich nach dem Buch gedacht: „Nichts Neues soweit.“
Insgesamt ist das Buch so ziemlich eine Neuauflage, etwas umformuliert, von den Büchern, die nach ProChrist jedem Nachvorne-gekommenen überreicht wurde. Sie haben solche Titel gehabt wie: „Der nächste Schritt.“ oder „Wie es weiter geht.“
Ich muss sagen, so sehr ich die Autoren mag, dass mir schleierhaft ist, wofür dieses Buch eigentlich notwendig war. Es gibt hunderte von hervorragenden Büchern, die genau das Gleiche in der gleichen Art und Weise sagen. In der Darstellung ist es nicht schlecht, es ist mittelmäßig. Eine rote Linie ist vorhanden, aber sie ist nicht besonders originell oder kreativ gewählt.

...aber es ist doch 'das gute alte Evangelium'!
Und dennoch ist es das 'gute, alte Evangelium' und ich kann nicht sagen, dass es mich nicht wieder bewegt hat, es schwarz auf weiß zu lesen. Zumal ich die beiden Autoren auf sehr mag (Warnocks Blog ist großartig und sein 'Raised with Christ' hatte alles, was ein gutes Buch braucht!). Ich kann mir auch vorstellen, dass ich das Buch empfehlen würde, wenn ich ein Buch bräuchte, das einem Menschen, der Jesus gerade begegnet ist, ein Buch empfehlen wollte, das ihm/ihr die nächsten Schrite vor Augen malt.
Nur hätte ich dafür auch andere Bücher gehabt.
Ich fühle mich eigentlich nur gut, einem Buch, das so evangeliums-zentriert ist, nur einen Stern zu geben. Weil es ja auch die evangelikale Spiritualität repräsentiert, die mir so wertvoll und lieb und teuer ist.
Deswegen gebe ich dem Buch drei Sterne, weil es mittelmäßig ist, als Buch.
Nicht unbedingt empfehlenswert, aber auch nicht abratenswert.
Es ist einfach nichts neues, weder in Form noch in Inhalt.

God Bless,
Restless Evangelical


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