Dienstag, 4. November 2014

Davon die Alten sungen... (04.11.2014)


Martin Luther – Der du bist, drei in Einigkeit #1

„Der du bist, drei in Einigkeit,
ein wahrer Gott von Ewigkeit.‟

Es gibt manchmal diese Vorstellung, dass Menschen, die an Gott glauben, ihn auch erklären können müssen. Oder erklären können müssen, wieso er das Eine oder das Andere getan hat. Und ich gebe zu, dass es mir viel zu oft passiert, dass ich mich diesem Denken hingebe.
Dann dreht mein Verstand eine weitere Extrarunde und versucht, Antworten auf eine Millionen Fragen zu finden, die mir von einigen Weisen und manchen Spöttern gestellt werden. Und meine Seele redet sich dann immer wieder ein, dass mein Glaube zum Scheitern verurteilt ist (bemerke: nicht unmittelbar scheitert, aber unweigerlich in diese Richtung treibt), wenn ich keine guten, intelligenten und noch dazu witzigen Antworten finde.
Während ich jetzt dieses kurze Lied von Martin Luther jeden Morgen singe – und das erst seit ein paar Tagen – bemerke ich mehr und mehr, wie merkwürdig diese Vorstellung ist. Was ist das für ein Gott, der sich mit meinem Verstand ergründen lässt, der nicht annähernd der größte der Menschheit ist. Und hätte ich den größten Verstand – ein Stand, den ich mir nicht einmal richtig vorstellen kann – wäre der Versuch, Gott zu erklären, doch dennoch mühsam und würde dem Jungen gleichen, der einen Seestern nach dem Anderen zurück ins Meer wirft.
Es macht einen Unterschied für den Einen,
und ich würde auch nicht wagen, zu sagen, dass es unnütz ist.
Nur die Bedeutung seines Handelns daran zu messen, dass er alle Seesterne zurück befördert, und wenn er es nicht schafft, dann waren auch die 100 anderen sinnlos, ist mehr Druck und Krampf als unterhaltsame und versichernde Aktivität.
Und dann denke ich jeden Morgen in den ersten beiden Zeilen, dass das 'Keine Antwort Haben' vielleicht sogar eine Eigenschaft der menschlichen Beziehung mit Gott ist. Etwas, um das wir uns in unserer Spiritualität berauben, wenn wir es nicht auch mal zulassen. Ein Gott, der in meinen Kopf passt, kann kein besonders großer Gott sein; und ein Gott, der in einem Buch von 1500 Seiten alles über sich offenbart haben soll, kann kein ewiger Gott sein.
Also beginne ich diesen Monat jeden Morgen mit dem Gebet, dass ich mir mehr darüber bewusst werden will, dass Gott anders ist – und dass ich zwar Teile von ihm begreifen kann, dass ich alles begreifen kann, was ich wissen muss, aber längst nicht alles, was es über ihn gibt.
Wenn ich dann an die Freude nachdenke, die darin liegt, diesen Gott immer besser kennenzulernen, ihn als den Urheber und Erhalter allen Lebens zu sehen, und im Vertrauen darin zu wachsen, dass er zutiefst gut ist, dann merke ich, dass auch eine Hoffnung darin liegt, dass ich nicht alles über Gott kenne. Nicht, weil ich Angst habe, dass ich etwas über ihn erfahren könnte, was nicht gut ist – er ist der Urheber und Erfinder von 'gut', wie könnte er irgendetwas anderes sein?
Sondern weil ich dann plötzlich eine Vision davon bekomme, dass ich eine Ewigkeit damit verbringen werde, davon mehr zu erkennen, was mich zutiefst glücklich macht, wofür ich eigentlich geschaffen wurde.
Weil ich eine Ewigkeit damit verbringen werde, nicht nur Wissen anzuhäufen über ein lebloses Objekt, das mein Verstand seziert, sondern weil ich eine Ewigkeit in der Beziehung mit meinem Schöpfer lernen werde, was es heißt, dass er gnädig und gleichzeitig gerecht ist, dass er Schöpfer und Erhalter und Erlöser und gleichzeitig Richter ist. Ich nähere mich, mit vorsichtigen Schritten, weil ich weiß, dass ich mich nähern darf, und ich erkenne, dass die Spannung sich auflöst in dem Bewusstsein, dass ich nicht alles über Gott weiß.
Muss ich auch nicht.
Weil ich eine Ewigkeit habe, um mehr herauszufinden.

God Bless,


Restless Evangelical

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