Dienstag, 11. November 2014

Davon die Alten sungen... (11.11.2014)


Martin Luther – Der du bist, drei in Einigkeit #2

Unser armes Lied rühmet dich
jetzt und immer und ewiglich.‟

Als Theologiestudent, Blogger, Leiter, Christ ist es manchmal so verführerisch zu denken, dass das Lied, das wir für Gott singen (mag es mit unserer Stimme oder mit unserem Leben sein), irgendwie besser, irgendwie besonderer ist, als das Lied unserer Mit-reisenden auf dem Weg zur Herrlichkeit.
Immerhin denken wir wirklich darüber nach, was wir denken.
Und wir singen auch „Komm, jetzt ist die Zeit‟ nicht mehr mit, weil wir erkannt haben, dass es Allversöhnung lehrt. Und den Weg wollen wir lieber nicht beschreiten.
Oder wir gehen nicht mehr in die heuchlerischen Gemeinden, die sich Sonntags zur Besinnlichkeit treffen. Wir machen wirklichen Gottesdienst, in den Tafeln und Suppenküchen der Bundesrepublik.
Ja, Gott mag sich von den Liedern und dem Geplärre unserer Mit-christen abwenden, weil sie es nicht ernst meinen, aber mein Lied ist ein Wohlgenuss. Danke Gott, dass ich nicht so bin wie diese.
Das Problem mit einer heuchlerischen Spiritualität ist meistens nicht, dass wir sie auch so ausdrücken. Das, was ich im oberen Abschnitt geschrieben habe, ist sicher nicht, was irgendjemand bewusst sagen würde. Das Problem liegt tiefer, liegt in unseren Vorstellungen, wenn niemand auf sie Acht gibt – selbst wir selber nicht – die in unserem Unterbewusstsein nachklingen.
Es ist für uns alle verführerisch, weil wir im Herzen gerne besser sein wollen, als die Leute um uns herum. Uns irgendwie abheben wollen von der Masse, nicht nur ein Gesicht in der Masse sein wollen, sondern durch unsere Besonderheit uns den Platz in dieser Welt verdienen.
In diesem Monat erinnert mich das Lied Luthers jeden Morgen daran, dass das Lied, das ich für Gott sind, kümmerlich ist. Nicht, weil ich schrecklich unmusikalisch bin (was stimmt), sondern vor allem, weil ich ich bin. Ich erinnere mich daran, dass ich auch in den melodielosen Liedern, die ich singe – auf diesem Blog, und in meinem Leben – ich nur durch Zufall die Töne treffe, und nur ein wirklicher Musikgigant darin eine Harmonie erkennen kann.
Und dennoch liebt Gott das Lied.
Nicht, weil es so schön ist, sondern weil er es schön macht.
„Gott schreibt auf krummen Linien gerade.‟, sagt man gerne, und er singt auch in harmonielosem Gekrächze ganze Symphonien. Man nennt ihn den größten Künstler aller Zeiten, weil er diese Welt und alles darinnen geschaffen hat. Ich denke, er ist auch deswegen der größte Künstler, weil er aus den hässlichsten Farbklecksen wunderbare Gemälde macht, mit mehr Schönheit und Tiefe und Melodie, als wir uns vorstellen können.
Und was mich bei Luthers Lied noch trifft, ist, dass es sich nicht nur um eine Wahrheit in diesem Leben handelt. Manchmal versuchen wir den Blick nach vorne zu lenken und zu sagen: „Ja, jetzt, da bin ich noch unharmonisch. Aber wenn ich angekommen bin, dann singe ich auch die schönsten Lieder.‟
Vielleicht ist es die Wirklichkeit der Herrlichkeit, dass wir als Kinder Gottes zusammenkommen, mit all den Wunden und Wundern, die wir im Herzen mit tragen, und singen unsere kleine Melodie, die wenigen Töne, die wir zu singen beigebracht bekommen haben von einem Gott, der uns eine Blockflöte gibt, wenn wir auf einer Violine herumkratzen.
Aber auf eine wundersame Weise sind es diese wenigen Töne, die von den Millionen gesungen werden, jeder andere Töne, die das große Orchester ausmachen.
Ich warte, und freue mich, dort zu singen.

God Bless,

Restless Evangelical

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