Dienstag, 18. November 2014

Davon die Alten sungen... (18.11.2014)


Martin Luther – Der du bist, drei in Einigkeit #3

Die Sonn' mit dem Tage von uns weicht,
lass leuchten uns dein göttlich Licht.‟

Vor ein paar Tagen habe ich gelernt, dass ein gut ausgeleuchtetes Büro bei Nacht 500 Lux hat (eine Form, Beleuchtung zu messen). Das gleiche Büro bei Tageslicht hat 10.000 Lux.
Kein Wunder, dass die Menschen zur Winterzeit depressiv werden. Das liegt nicht nur daran, dass man sich das Gehirn zermartert, wo man welches Geschenk kaufen sollte, und vor allem, ob und wo man denn feiern wird. Es liegt vor allem daran, dass es dunkel wird.
Das alleine ist natürlich keine besonders tolle Erkenntnis.
Aber diese Zahlengegenüberstellung hat mich an diese Zeile erinnert, die ich momentan an fast jedem Morgen singe oder laut bete. Ich habe mich daran erinnert gefühlt, weil Martin Luther mit diesen zwei Zeilen eine einfache Wahrheit zum Ausdruck bringt. Das ist, dass das geistliche Leben dann sehr einfach fällt, wenn das Leben einfach läuft. Nicht, dass dann Beten und Bibellese und überhaupt eine reflektierte Frömmigkeit zu leben einfach wäre. Nur macht man sich weniger Gedanken darum. Wer denkt schon darüber nach, ob er am Morgen genug gebetet hat, wenn er bei Sonnenschein ein kühles Bierchen öffnet und mit seinen Freunden an der Lahn grillt?
Oder, wie es in dem Lied von Jupiter Jones heißt: „Wenn morgen die Sonne scheint, wird alles so schlimm nicht sein.‟
Aber dann ist es gerade in den Zeiten, in denen die Sonne untergeht, dass wir uns an das Licht klammern müssen, das zwar hundertmal heller scheint, aber das so schwer zu finden ist. Dann ist es eine Anstrengung, es zu suchen und sich daran festzuhalten – alle anderen Möglichkeiten und Auswege scheinen dann attraktiver zu sein; vor allem, weil sie einfacher zu finden sind.
Weil wir uns dann oft einreden, dass es uns doch gut ging, als wir uns nicht um unsere Beziehung zu Gott gekümmert haben; wir nehmen dann an, dass Gleichgültigkeit gleichbedeutend ist mit Wohlergehen. Und wir denken nicht mehr darüber nach – es kommt uns dann gar nicht mehr in den Sinn – dass es gerade die Gleichgültigkeit war, die uns in diese Nacht geführt hat.
Wir sind dann mehr wie Gollum, der sich tief in das Gebirge zurückzieht, aus Selbsthass und Hass auf die Welt. Aber sobald er an das Tageslicht tritt, wird er erinnert an das, was sein könnte, und sehnt sich zurück in seine Grotte.
Bei uns ist es wahrscheinlich kein Selbsthass, sondern eben die Gleichgültigkeit gegenüber Gott, die uns aus dem Wirkbereich der Sonne wegtreibt, und wie schnell vergessen wir, dass wir das Licht brauchen, um überhaupt zu überleben.
In diesem Sinne braucht es dann Anstrengung und Kraft, aus der Dunkelheit – an die sich unsere Augen schon gewöhnt haben – wieder ins Licht zu treten, wie der Erkennende in Platos Höhlengleichnis. In die Sonne zu treten ist dann zu grell, unangenehm für die Augen und der erste Impuls ist, wieder zurück in die schummerige Dämmerung zu treten.
Doch Luther erinnert uns – in dem Lied und durch sein Leben – daran, dass es einen Wert hat, sich um das Licht zu bemühen, das so viel heller ist als das Tageslicht. Es liegt darin, an seiner Beziehung zu Gott zu arbeiten, sie nicht einfach laufen zu lassen als wäre es ein Selbstläufer, sondern aktiv daran teilzuhaben, und auch Dinge auf sich zu nehmen, die nicht auf den ersten Blick angenehm sind.
Eine Freundin hat letztens im Bezug auf das Gebet und die Bibellese gesagt: „Vielleicht ist es so, dass wir nichts für Gott tun können, aber für unsere Beziehung zu ihm.‟
Auf Luthers Bild übertragen bedeutet das: Wir können nichts dafür tun, dass das Licht heller scheint, nichts tun, damit uns mehr Lux umstrahlt. Aber wir können etwas dafür tun, uns vor dem Licht nicht zu verbergen, nicht aus dem Licht herauszutreten und die Dämmerung vorzuziehen.
Die Beziehung mit Gott aktiv zu suchen ist nicht einfach, besonders wenn man sich schon länger aus dem Licht entfernt hat. Und dennoch ist es eine große Freude.

God Bless,

Restless Evangelical

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