Sonntag, 30. November 2014

Vier Plus 1 am Sonntag – 30.11.2014


A. Wenn ihr jemals einen Artikel gelesen habt, den ich an dieser Stelle geteilt habt, dann lest diesen. Eine Redakteurin der FAS macht genau das, was ein großes Medium wie die FAS machen sollte, wenn ein Internetmem wie der Screenshot von Lann Hornscheidt bei Facebook so sehr die Runde macht und so kränkende, beleidigende, gewaltphatasierende und ächtende Kommentare hervorruft: Sie geht zur betroffenen Person und fragt einmal nach. Ein unglaublich großartiger Hintergrundbericht, in die Welt der Genderforschung – die mir, zugegeben, auch etwas fremd ist – und ein Musterstück darin, erst einmal zu verstehen, bevor man seiner Meinung Luft macht.

B. Die Süddeutsche macht ihrem Ruf, reflektiertes Meinungsorgan zu sein, wieder einmal alle Ehre in einem hervorragenden Artikel über die Grenzen und Definitionen von Toleranz. Interessant ist dabei vor allem, wie von Seiten einer 'neuen Toleranz' gerade das betrieben wird, was sie auf der Gegenseite vermutet: nämlich das Supremat einer Meinung – noch dazu dürftig argumentierten – über alle anderen Meinungen. Das ist nicht postmodern, nicht pluralistisch und schon gar nicht demokratisch – das ist prämodern, und führt uns tief zurück in alte Grabenkämpfe von Zensur.

C. Rachel Held Evans schreibt einen bewegenden Kommentar, darüber, dass wir die Bibel gerne für unsere eigenen Ziele benutzen – und unsere Ziele nicht von ihr schleifen lassen – und auf die Frage, ob „die Anderen‟ wirklich nicht eigentlich so denken, wie wir, nur zu anderen Ergebnissen kommen. Die Frage vom Zusammenhang von LGBT Rechten und der amerikanischen Sklaverei sind natürlich in Deutschland nicht annähernd so präsent, und ich habe meine Zweifel, ob es wirklich übertragbar ist. Nichtsdestotrotz fand ich RHE Gedanken wieder einmal sehr spannend.

D. Drüben bei ChristianityToday schreibt Guillaume Bignon, wie er das Evangelium entdeckte. Das besondere daran ist, dass er Franzose ist, aus dem vielleicht säkularisiertesten Land Westeuropas kommt. In Frankreich das Evangelium zu hören – um nicht zu sagen: es zu glauben – macht ihn zu einem Ausnahmefall. Einem großartigen, wie ich denke. Ich bin unheimlich froh, dass es in Frankreich mittlerweile große Gemeindegründungsbewegungen gibt, die aus diesem Ausnahmefall die Regel machen wollen; oder zumindest ein vernünftiges Zeugnis für die Größe eines Gottes, der „den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht [hat], damit wir zur Gerechtigkeit Gottes würden.‟ (2Kor 5,21).


Und noch einen zum Schluss: Trevin Wax schreibt einen berührenden Artikel, darüber, dass Jesus sowohl in seiner Exklusivität als auch in seiner Inklusivität nicht leicht annehmbar ist. Und gleichzeitig deswegen so faszinierend. Wir dürfen keine dieser beiden Seiten vernachlässigen oder klein reden, weil wir sonst in der Gefahr stehen, und einen „Jesus nach unserem eigenen Bild‟ zu schaffen. Wichtige Erinnerung, unbedingt lesen!

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