Dienstag, 13. Januar 2015

Davon die Alten sungen... (13.01.2014)


Paul Gerhardt – Lobet den Herren #2

Dass unser Sinnen,
wir noch brauchen können
und Händ und Füße,
Zung und Lippen regen,
das haben wir zu
danken seinem Segen.
Lobet den Herren.‟

Vor einiger Zeit bin ich über einen Gedanken gestoßen, den Matt Chandler einmal geäußert hat im Bezug auf seine Krebserkrankung vor einigen Jahren. Als man bei ihm einen Gehirntumor festgestellt hatte, der sofort operativ entfernt werden musste, hat man ihm gesagt, dass es zu einer Einschränkung in der kognitiven Fähigkeit kommen kann. Oder, wie er es zumindest verstanden hat, dass er danach vielleicht weniger gut Denken kann.
Was dazu führte, dass er verzweifelte, weil er dachte: „Denken ist so ziemlich die einzige Fähigkeit die ich habe.‟
Was nicht uninteressant, oder total abwegig ist, für jemanden wie mich, der die meiste Zeit seines Tages mit Denken und Ideen-haben verbringt. Und dann hat mich ein sehr enger Freund kurz vor Weihnachten, unabhängig von dem Zitat, mit der Frage konfrontiert: „Woher nimmst du deinen Wert, Marcus, wenn du nicht mehr denken kannst?‟
Diese Frage hat mich ein wenig aus der Bahn geworfen. Es ist nicht so schwer für mich, die sklavische Abhängigkeit von unserer Kultur gegenüber sexueller Erfüllung zu erkennen und aufzuzeigen; auch Machthunger und Geldgier sind Probleme, die mir recht schnell ins Auge fallen, weil ich zum Einen nie besonders viel Geld hatte, und zum Anderen für den Machtlosen die Mächtigen immer mit einem gewissen Markel behaftet sind. Kurz: Es ist nicht schwer für mich, zu sehen, wo Fehler liegen, solange es nicht meine Eigenen sind.
Paul Gerhardt erinnert mich momentan an jedem Morgen daran, dass auch unsere Fähigkeit zu denken und zu Grübeln nichts ist, das wir aus uns heraus aufbringen. Nichts, das uns aus uns heraus Wert gibt. Wenn ich mein Leben daran hänge, ständig interessante Ideen zu haben und teilen zu können, scheint es mir ein sehr fragiles Leben zu sein.
Nicht aber, wenn ich mein Leben auf den Gott werfe, der mir diese ganzen Fähigkeiten gegeben hat. Es ist interessant zu sehen, dass die begabten Menschen ihre eigenen Gaben meistens als total natürlich betrachten, und die Gaben anderer als etwas völlig Fremdes, als das, was man eigentlich haben will, was einen wirklich glücklich machen würde.
Und dabei sehen wir zu sehr auf die Gaben, die wir haben oder haben wollen, und zu wenig auf den Geber. Wir hoffen, dass uns Fähigkeiten und Expertise dazu führen, dass wir am Ende wissen, wer wir sind. Aber das alles ist zu fragil, zu wenig standhaft, als das es uns auf Dauer wirklich sagen könnte, wo wir das Paradies Lost wiederfinden.
Das ist, warum am Ende meines Denkens und Meditierens, meines Hoffens und Lernens, nicht ich stehe, sondern ein Gott, der gibt und wieder nimmt.
Was mich auch dazu drängt, dass ich die Gaben in mir, und die in meinen Freunden und Bekannten, mehr wertschätzen will. Und zwar nicht um der Gabe willen, nicht weil es mich an sich so sehr fasziniert, wie man Fingerpicking Gitarre spielen kann (weil ich es nicht kann), sondern weil ich durch die Gaben, durch das Schönheitsschaffen, den Schöpfer sehen will, der gibt, der nimmt, und der am Ende da steht, mit offenen Armen, und sagt: „All das sagt dir nicht, wer du bist. Ich sage dir, wer du bist. Du. Bist. Mein.‟
Was mich ruhig macht.
Und deswegen lobe ich den Herren.

God Bless,

Restless Evangelical

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