Dienstag, 20. Januar 2015

Davon die Alten sungen... (20.01.2015)


Paul Gerhardt – Lobet den Herren #3

Richt uns're Herzen,
dass wir ja nicht scherzen,
mit deinen Strafen,
sondern fromm zu werden,
vor deiner Zukunft
uns bemühn auf Erden.
Lobet den Herren.‟

Ich erinnere mich noch daran, wie ich vor ein paar Jahren das Flugzeug bestiegen habe, das mich in die Vereinigten Staaten fliegen sollte. Passion Conference. Ein Wunsch, seit Jahres gehegt und gepflegt, sollte endlich Wirklichkeit werden. Und ich war sicher, habe erwartet, habe genau gewusst, dass mir diese Konferenz einen unerreichten Boost in meiner Nachfolge geben würde.
In den Wochen vorher habe ich in der Zukunft gelebt, genau in dem Moment, wenn sich die Tore vom Georgia Dome öffnen werden.
Wenn alles stimmt.
Wenn ich endlich da bin.
Als Menschen sehnen wir uns oft nach der Zukunft, weil wir uns darin irgendwie das Glück versprechen. Wonach sehnst du dich? Solange wir hier sind, bereiten wir uns auf die Zukunft vor, in der wir das Glück vermuten. Lehrjahre – sagt man ja – sind keine Ehrjahre. Dann ist es die Zukunft, in der wir leben, wo alles Gute wirklich losgehen wird. Solange wir noch in der Gegenwart sind, heißt es vorbereiten, Entbehrungen auf uns nehmen.
Und selbst wenn du nicht zuerst an einem bestimmten Punkt in der greifbaren Zukunft gedacht hast – deine Hochzeit vielleicht, dein erstes Kind, oder dieser Job, deine Karriere, das Eckbüro oben im vierten Stock, dieses Haus, auf das ihr spart, oder der Urlaub in der Türkei – dann ist es vielleicht die entfernte Zukunft. „Wenn er wiederkommt, um sein großes Mahl mit uns zu feiern‟ heißt es in der lutherischen Abendmahlsliturgie.
Dieser Wunsch, die Hoffnung, ist ja auch eines der markentesten Bestandteile der evangelikalen Spiritualität. Wir leben nicht aus dem Schauen, sondern aus dem Glauben. Gegen jede Stimme sind wir sicher, dass noch mehr kommt, dass das Beste noch aussteht.
Aber momentan werde ich an jedem Morgen von Paul Gerhardt daran erinnert, dass es eine Zeit zwischen Jetzt und Zukunft gibt. Wie lange die ist, weiß ich nicht. Und in den schwierigen Zeiten sehe ich sehnsüchtig auf die Zeit, in der alles richtig sein wird. Aber jetzt sind wir hier. Und die Gemeinde ist nicht wie eine Bushaltestelle, in der sich Menschen gemeinsam einfinden, um unabhängig von einander auf das gleiche Ereignis zu warten.
Die Gemeinde ist das Friedenscorps, das mitten in das Krisengebiet gesendet wird. Keine Zeit zu verlieren.
---
Dabei muss ich an den Anfang der Apostelgeschichte denken, als die Apostel Jesus fragen, wann er denn jetzt endlich Frieden schaffen wird. Kommt jetzt endlich alles, worauf Israel seit Jahrhunderten hofft?
Es kommt schon, sagt Jesus. Aber zwischenzeitlich ist da noch etwas anderes zu tun (vgl. Apg 1,7f)
Es ist fast so, als würde Jesus uns ermahnen, als Gemeinde, in dieser Welt, nicht mit unseren Köpfen in der Zukunft zu leben, sondern aus der Hoffnung auf die Zukunft unsere Kraft für jeden Tag im Jetzt zu ziehen.
Wenn ich mir auch manchmal Wünsche, dass die Zukunft jetzt beginnen würde, möchte ich mir in dieser folgenden Zeit gerne wieder bewusst machen: Jetzt ist die beste Zeit, für die Nachfolge Jesu. Nicht erst in einem Jahr, nicht erst, wenn ich meinen Master habe, und auch nicht erst, wenn er wiedergekommen ist.
Sondern jetzt.
Mit seiner Hilfe.
Und dabei Lobe ich den Herren.

God Bless,


Restless Evangelical

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen