Dienstag, 27. Januar 2015

Davon die Alten sungen... (27.01.2015)


Paul Gerhardt – Lobet den Herren #4

Treib unsern Willen,
dein Wort zu erfüllen;
hilf uns gehorsam
wirken deine Werke;
und wo wir schwach sind,
da gib du uns Stärke.
Lobet den Herren.‟

Jesus nachzufolgen wird erst dann zu einem Problem, wenn es schwer fällt. Solange man sich auf christlichen Freizeiten bewegt, oder im Gottesdienst, auf Konferenzen, da fällt es einfach, Bibel zu lesen und zu beten.
Aber es wird dann schwierig, wenn die Aufgaben, die vor uns liegen, uns zu groß erscheinen, als dass wir sie Schultern könnten. Und wir brauchen hier kein Duckmäusertum zu etablieren: Jesus nachzufolgen ist nicht einfach. Und das hat uns auch nie jemand versprochen. Niemand jedenfalls, der im langen Strom christlicher Orthodoxie schwimmt.
Das liegt vor allem daran, dass die Werke, die Jesus uns als Vorbild vorlebt, so wenig zu bringen scheinen. Vor einigen Tagen habe ich einen Freund darauf hingewiesen, dass die Goldene Regel (andere Menschen so zu behandeln, wie wir behandelt werden wollen) bedeuten würde, dass wir Muslimen in Deutschland nicht das Recht absprechen sollten, Moscheen zu bauen.
Die Antwort war die Frage, ob es mir egal sei, wohin unsere Gesellschaft sich bewegt.
Was eine interessante Frage ist, weil in erster Linie mir doch nicht wichtig sein sollte, was die klügste Weise wäre, eine Gesellschaft zu organisieren, sondern, diesem Jesus nachzufolgen, der sich für mich gegeben hat. Macht mir das manchmal Angst? Natürlich.
Es bedeutet, darin zu wachsen, radikal gnädig zu sein, zu Lieben, wo Liebe nicht von selbst kommt, und zu verstehen, wenn Verständnis zu unnatürlich erscheint. Es bedeutet, einen Unterschied zu machen, und dafür nicht nur merkwürdig betrachtet zu werden. Es bedeutet vor allem, seinen eigenen Komfort zurückzustellen, wenn es Anderen dienen würde.
Vor allem bedeutet es, Schritt für Schritt da hineinzuwachsen, manchmal nicht zu wissen, wie einem geschieht, und es dennoch irgendwie zu lieben. Es bedeutet manchmal, mit sich selbst zu ringen, abzuwägen, was man will und wollen sollte, und einen Prozess zu vollziehen, den man selbst nicht bewältigen würde, geschweige denn, ihn überhaupt zu starten.
Auf der Freizeit, auf der ich über Silvester mitgearbeitet habe, hat mich eine junge Frau gefragt, wie sie das schaffen soll. „Ich will nachfolgen.‟, hat sie gesagt. „Aber ich weiß nicht wie.‟
An sie muss ich häufig denken in den letzten Wochen, wenn ich dieses Lied von Paul Gerhardt singe. Ich denke an meine eigenen Schwächen in der Nachfolge, und die Frage, in wie weit ich jemals ankommen werde. Und ich denke an die ganzen Jugendlichen, denen ich begegnet bin, die nachfolgen wollen, und schneller als es ihnen lieb ist an ihre Grenzen kommen.
Wenn meine Grenzen nur einen Katzensprung entfernt ist, wie kann ich in die Ewigkeit rennen?
Paul Gerhardt spricht uns zu, dass es in diesen Situationen das Versprechen gibt, dass nicht unsere Kraft die Eigentliche ist, die auf die es ankommt; es ist Gottes Kraft, die Jesus von den Toten auferweckt hat, die in uns wirkt.
Am Mittwoch haben wir im Hauskreis über den Apg 2,24 geredet, wo Petrus davon spricht, dass Jesus „aus den Wehen des Todes befreit [wurde], denn dass er in dessen Gewalt bleiben könnte, war ja unmöglich.‟ (Zürcher Bibel)
Wenn das die Kraft ist, die in uns wirkt (Eph 1,19f), dann habe ich allen Grund, mit Frohmut darauf zu sehen, was vor mir liegt. Nicht, weil ich so ein großes Vertrauen darin habe, dass ich alle Schwierigkeiten meiner Nachfolge bewältigen werde. Wenn das alles wäre, dann müsste ich verzweifeln, oder aufgeben, oder beides.
Ich habe frohen Mut, weil ich weiß, dass in den Schwächen die Kraft Gottes umso stärker in mir wirkt, mich trägt und mich hindurch bringt. Und wenn ich fallen sollte, dann hebt sie mich wieder auf.
Wenn ich mir das kommende Jahr ansehe, dann sehe ich viele Unwegbarkeiten, viele schwierige Entscheidungen, die ich zu treffen habe, und ich bin sicher, dass ich viele Male in der Nachfolge fallen werde.
Aber ich weiß auch, dass das nichts daran ändert, dass in mir eine Kraft wirkt, die die ganze Welt ins Dasein gerufen hat.
Mehr Kraft kann ich mir nicht wünschen.
Und darum lobe ich den Herren.

God Bless,

Restless Evangelical

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