Dienstag, 10. Februar 2015

Davon die Alten sungen... (10.02.2014)


Martin Luther – Aus tiefster Not schrei' ich zu dir #2

Darum auf Gott will hoffen ich, auf mein Verdienst nicht bauen.
Auf ihn mein Herz soll lassen sich und seiner Güte trauen,
die mir zusagt sein wertes Wort.
Das ist mein Trost und treuer Hort;
des will ich allzeit harren.‟

Irgendwie muss ich dazu durchdringen, Gnade zu verstehen.‟, hat mir vor einigen Wochen jemand gesagt, als wir über evangelikale Spiritualität geredet haben. Und ich habe mich über diese Erkenntnis gefreut, und mich gleichzeitig gezwungen gefühlt, dem Ganzen erstmal wieder einen Riegel vorzuschieben.
Steck dir dein Ziel nicht zu hoch. Ganz verstehen wirst du Gnade erst in der Ewigkeit.‟ Und wahrscheinlich werden wir die Ganze dafür brauchen, habe ich in Gedanken hinzugefügt.
Später habe dann gedacht, dass ich es doch lieber anders formulieren wollte.
Denn: Wie kann ich Gnade verstehen? Gnade ist das Unverstehbare, das Unerreichbare, das Unverdiente, und das immer gegen meinen Verstand gehende an Gottes Vergebung.
Ich habe sie nicht verdient, diese Gnade.
Und gerade deswegen gibt sie mir Wert, und Identität, und Herrlichkeit.
Eine Gnade, die ich verdienen würde, um die ich meinen Verstand wickeln könnte, schön verpackt und eingebunden in meine Tasche stecken, wäre keine Gnade mehr, die mich von innen heraus veränderte; einfach auf Grund ihrer Andersartigkeit und ihrer Unbegreifbarkeit.
Ich? Wirklich? Wieso?
Faszinierend finde ich deswegen, dass ich in diesem Monat nicht jeden Morgen singe, dass ich Gnade verstehen will. Aber ich will sie mir „zusagen‟ lassen. Manchmal ist es wichtig, dass eine Wahrheit laut ausgesprochen wird, dass sie nicht stecken bleibt im Kopf. Aber beim Zusprechen geht es dabei um mehr. Denn dabei geht es um eine Gegenseitigkeit.
Ich spreche jemand anderem etwas zu, oder jemand spricht mir etwas zu. Zusprechen kann man nicht alleine.
Und deswegen muss ich in Gemeinschaft mit dem Wort Gottes sein, um Gnade zugesprochen zu bekommen. Gnade kann ich nicht verstehen, nicht durchdringen, indem ich mehr und mehr in mir selbst versinke und versuche, mich zu verstehen.
Gnade bekomme ich zugesprochen an dem Ort, wo ich der Quelle der Gnade begegne, wo er sich zeigt. Was nicht zuletzt auch damit zusammen hängt, dass ich im Wort Gottes den Spiegel vorgehalten bekomme, wieso ich Gnade eigentlich so bitter nötig habe.
Denn die Tage spalten sich ja meistens auf, in solche Tage, in denen wir nicht wissen, woher wir die Gnade bekommen sollen, die wir so dringend brauchen. Darin gibt uns das Wort Gottes Zuflucht, dass es uns die Gnade vor Augen malt. „This is amazing grace, this is unfailing love, that you would take my place, that you would bear my cross.‟, sing Jeremy Riddle. Das ist sie, dort am Kreuz hängend, das ist die erstaunliche Gnade.
Die anderen Tage scheinen normal zu sein: Wieso sollte ich Gnade brauchen, es ist doch nur der Alltag.
Aber in der Begegnung mit diesem Jesus, der so gerecht ist, so viel mehr als ich es jemals sein könnte, erkenne ich, wieso ich Gnade brauche. Begnadigt sehne ich mich danach, durch seine Gnade mehr dahin zu wachsen, wie er ist. Ihn widerzuspiegeln.
Vor einigen Monaten habe ich einen Pastor sagen hören, dass er sich wünscht, dass die Leute in seine Gemeinde sehen, und nicht viele verschiedene, eigenwillige Menschen, sondern viele Menschen auf dem Weg, wie Jesus zu werden.
Aber wenn ich die Perfektion in Jesus erkenne, erkenne ich auch, dass ich dafür Gnade brauche.
Und die finde ich nicht, dessen werde ich mir nicht sicher, wenn ich sie mir nicht zusprechen lasse. Jeden Tag.
Darum will ich zum Herrn rufen.

God Bless,

Restless Evangelical

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